5. August 2014 - 13:47

Leseprobe aus Falaysia – Fremde Welt – Band IV: Ezieran

 

Bedrohung

Mit Leon tagelang zu Pferd unterwegs zu sein, war bereits anstrengend gewesen. Jenna hatte zu Beginn ihrer Odyssee quer durch Falaysia nicht die dafür notwendige Fitness besessen, war sehr schnell erschöpft gewesen und oft an ihre Belastbarkeitsgrenze geraten. Nach einer Weile hatte sich ihr Körper gleichwohl an den Schlafmangel und die physischen wie nervlichen Belastungen gewöhnt und sie war besser mit den Anforderungen einer solchen Reise klargekommen.
Mit Marek zu reisen, hatte sich bisher meist nicht besonders davon unterschieden, – abgesehen von der erhöhten psychischen Belastung während ihrer ‚Kennenlernphase‘ – doch, wie ihr in den letzten Tagen deutlich geworden war, hatte er sich bisher wohl immer auf sie eingestellt und ein Tempo gewählt, das weder ihre Pferde noch die Reiter zu sehr belastete. Dies hatte sich mit der Eile, die momentan angebracht war, verändert. Wenn es das Gelände hergab, ritten sie vorwiegend im Trab, brachten sogar die ein oder andere Strecke im schnellen Galopp hinter sich. Pausen wurden am Tag nur für die Pferde gemacht, um diese zu tränken und zu füttern und ihnen wenigstens für eine halbe Stunde ein wenig Ruhe zu gönnen. Allerdings schienen die starken Tiere mit den Strapazen des schnellen Reisens sehr viel besser klarzukommen als Jenna, denn sie liefen nach einer solchen Rast meist fast in alter Form weiter und machten dabei einen recht munteren Eindruck.
Jenna hatte zunächst nicht gespürt, wie sehr die neuen Anforderungen sie belasteten. Es hatte zwar immer wieder Phasen der Müdigkeit und Erschöpfung gegeben, wie geschwächt sie tatsächlich war, hatte sie jedoch erst am Abend ihres ersten Reisetages begriffen, als ihre Beine beim Absteigen so weich gewesen waren, dass sie ihrem Körpergewicht nachgegeben und sie sich beinahe ungewollt hingekniet hatte. Lediglich ihr rascher Griff nach dem Sattel hatte sie vor dem peinlichen Kniefall bewahrt.
Der Muskelkater am nächsten Morgen war die Hölle gewesen und hatte ihr das tapfere Weiterreiten zusätzlich erschwert. Aus diesem Grund war sie für das Unwetter am gestrigen Tag fast dankbar gewesen, denn es hatte ihr ein paar mehr Stunden der Ruhe verschafft und sie hatte sich besser erholen können als am Vortag.
Jenna gab sich zwar große Mühe, ihre anhaltenden Schwierigkeiten vor Marek zu verbergen, dennoch hatte er diese leider bereits bemerkt. Das verrieten ihr die prüfenden Blicke, mit denen er sie seit gestern ab und an musterte. Diese Beobachtungen bewegten ihn jedoch nicht dazu, etwas an seiner Vorgehensweise zu ändern. Das wollte sie auch nicht. Die Zeit drängte und sie wollte ganz bestimmt nicht der Schwächling sein, der am Ende daran schuld war, dass etwas an Mareks Plan furchtbar schiefging. Sie war flexibel. Sie konnte sich auch an diese neuen Umstände und Ansprüche an sie gewöhnen.
Das sagte sie auch zu ihm, als der Krieger mit ihr zusammen nur eine halbe Stunde später in dem kleinen Dorf ankam, in dem sie ihre Vorräte an Kleidung und Nahrung aufstocken wollten. Er nickte nur lächelnd, wies auf den Eingang der Wirtsstube und wiederholte, was er Sekunden zuvor schon einmal gesagt hatte: „Du gehst da rein, bestellst dir etwas zu Essen und ruhst dich aus. Keine Widerrede!“
Jenna holte Luft, um genau das zu tun, doch Marek hob sofort mahnend einen Zeigefinger. „Streite nicht mit mir! Du weißt, dass ich das nicht mag. Und du brauchst die Ruhe. Sonst kippst du mir noch vom Pferd und ich muss dich bis zum Lager hinter mir her schleifen. Glaub mir – Sand und Steine in der Kleidung zu haben, ist alles andere als angenehm.“
Sie presste die Lippen zusammen. Zum einen, um nicht zu lachen, weil sie genau wusste, dass er diese Drohung nicht ernst meinte, und zum anderen, um sich tatsächlich zusammenzunehmen. Manchmal machte es keinen Sinn, stur zu sein – vor allen Dingen nicht, wenn man sich damit selbst schadete.
„Wenn du in einer Stunde nicht wieder da bist, schicke ich ein Sondereinsatzkommando, das dich suchen kommt“, sagte sie schließlich doch noch, als der Krieger ihr bereits den Rücken zugewandt hatte, um die Besorgungen zu machen. „Und glaub nicht, dass ich die Kosten dafür trage!“
Er wandte sich nicht wieder zu ihr um, doch sie konnte ihn lachen hören, bevor er hinter der nächsten Hausecke verschwand.
Jenna holte einmal tief Atem und öffnete dann beherzt die Tür zu der Wirtsstube. Das Gasthaus enttäuschte nicht. Es sah von innen genauso gemütlich aus wie von außen, mit vielen kleinen Tischen und Bänken, einer langen Theke und einem knisternden Kamin in der Ecke. Bunte Blumen, die in Vasen und kleinen Töpfen steckten, schenkten der Innenausstattung zusammen mit den geblümten Tischdecken ein paar Farbtupfer und alles wirkte sauber und aufgeräumt. Zudem war das Wirtshaus gut besucht, was für schmackhaftes Essen sprach, und auch die Gerüche aus der Küche waren vielversprechend. Der Wirt, mit seiner kleinen dicklichen Statur das typisierte Abbild eines Mannes seiner Zunft, kam mit einem freundlichen Lächeln auf sie zu.
„Willkommen in meiner bescheiden Stube!“, begrüßte er sie mit einer einladenden Geste und glücklicherweise in dem Händler-Englisch, das ihr so vertraut war. „Ihr seht aus, als ob Ihr eine lange, anstrengende Reise hinter Euch habt. Kann ich Euch etwas Gutes tun? Ich verfüge über alles, was das Herz des Händlers begehrt: Gutes Essen, ein warmes Plätzchen vor dem Kamin, ein Zimmer mit einem weichen Bett …“
„Ein Platz zum Sitzen und eine warme Suppe würden mir schon genügen“, gab Jenna freundlich zurück und der Mann nickte sofort.
„Setzt Euch dorthin, wo es Euch genehm ist“, forderte er sie auf. „Ich werde Eurem anderen Wunsch so schnell wie möglich nachkommen.“
Jenna nickte nun ebenfalls, sah sich kurz um und steuerte dann auf
einen kleinen Tisch in der Ecke der Wirtsstube zu. Doch erst als sie sich auf der mit einer dicken Decke gepolsterten Bank niederließ, spürte sie, wie Recht Marek mit seinen Worten gehabt hatte. Ihre strapazierten Muskeln entspannten sich und ließen nun erst die Müdigkeit und Erschöpfung so richtig von ihrem Körper Besitz ergreifen. Sie fühlte sich mit einem Mal ganz schläfrig und lehnte sich auf der Bank zurück, um dann mit einem leisen Seufzen die Augen zu schließen. Wenigstens für einen Moment. Der Wirt würde sich schon bemerkt machen, wenn er mit der Suppe kam. Oh, wie sie sich darauf freute, endlich mal etwas anderes als Trockenfleisch in den Magen zu bekommen!
Sie bewegte den Kopf ein wenig, um auch ihre durch das Reiten so verspannte Nacken- und Schultermuskulatur zu lösen, hielt dann aber inne. Etwas in ihrem Umfeld hatte sich verändert. Da war … eine leichte Anspannung und dieses Kribbeln in ihren Schläfen, das sie meist verspürte, wenn jemand sie ansah. Hm … musste sie jetzt die Augen öffnen und überprüfen, ob von dieser Person eine Gefahr ausging, oder war diese einfach nur neugierig und sie konnte sich weiter ausruhen? Die Dunkelheit tat so gut …
Das Kribbeln wurde leider stärker und sie hob nun doch die Lider, suchte in der Stube nach dem Augenpaar, das sie so nervös machte. Leider hatte die Person wohl bemerkt, dass sie zu auffällig gestarrt hatte, denn keiner der Anwesenden sah momentan auch nur annähernd in ihre Richtung. Es waren vier weitere Tische besetzt. Die meisten der Gäste waren Männer; große, kleine … alte, jüngere … Nur an dem Tisch direkt am Kamin saßen zwei ältere Frauen und aßen still.
Jenna war sich sicher, dass von diesen beiden keine Gefahr ausging und ließ ihren Blick über die Gesichter der anderen Personen gleiten. Ein älterer, drahtiger Mann mit wettergegerbtem Gesicht, allein, seine Suppe löffelnd. Zwei munter schwatzende, relativ junge Männer, mit gepflegten Bärten und ebenso sauberer Kleidung. Händler vermutlich. Und dort in der Ecke ein Schrank von einem Mann. Nicht ungepflegt, aber dennoch düster. Lange Narbe auf dem Handrücken. Gruselig.
Jenna schluckte schwer. Sie hatte den Kerl beim Eintreten gar nicht bemerkt. Kein Wunder, wenn er zu diesem Zeitpunkt genauso zusammengesunken in der Ecke neben der Tür gesessen hatte. Er verhielt sich jedoch nicht ungewöhnlich, stopfte nur sein Essen – gebratenes Fleisch und Gemüse – mit dem Einsatz seiner Gabel und seiner Finger in sich hinein.
Jemand räusperte sich schräg hinter Jenna und sie zuckte erschrocken zusammen, sah entgeistert in das Gesicht des Wirtes.
„Eure Suppe“, sagte er lächelnd und stellte die dampfende Schüssel vor ihr auf den Tisch. Ein kleiner Brotkorb und ein großer Becher mit Wasser folgten.
„Guten Appetit!“ So schnell, wie der Wirt gekommen war, war er auch schon wieder verschwunden. Jenna hatte noch nicht einmal die Chance, sich zu bedanken, weil sie immer noch mit ihrem Schrecken zu kämpfen hatte. Sie starrte in ihre Suppenschüssel und atmete einmal tief durch die Nase ein. Diese Welt machte sie noch völlig paranoid! Nur weil jemand ein wenig gruselig aussah, hieß das noch lange nicht, dass er gefährlich war. Nach ihren positiven Erfahrungen mit Kaamo musste sie eigentlich wissen, wie sehr auch sie sich manchmal täuschen konnte. Die Leute hier wollten, so wie sie, gewiss nur ihre Ruhe und sich von ihrer anstrengenden Reise erholen.
Marek hatte ihr erzählt, dass das Dorf mit dem Namen Kirad-He durch seine Lage am Fluss Jeria, der gleich drei Länder miteinander verband, ein beliebtes Ziel von Händlern war und somit, obwohl es ungleich kleiner als Ritvak war, einen ähnlichen Durchgangsverkehr hatte. Aus diesem Grund hatte er auch einen Weile damit gehadert, das Dorf zu betreten. Vielen Menschen zu begegnen, bedeutet auch, eventuell erkannt zu werden, und der Kriegerfürst wollte nicht, dass jemand wusste, wo sie sich befanden – auch wenn sie ebenfalls zu den Durchreisenden gehörten und unter diesen sicherlich nicht sonderlich auffielen. Ihr dringender Bedarf an neuen Vorräten und frischen Kleidern zum Wechseln hatte ihn aber schließlich doch noch dazu bewegt, dieses Risiko einzugehen.
Bisher hatte niemand auf sie reagiert und Jenna hoffte, dass das auch so blieb. Sie fühlte sich mit Marek an ihrer Seite momentan so sicher und wohl, dass der Gedanke, jemand könne versuchen, sie von ihm zu trennen – ob nun als Feind oder Freund – sie sofort in Panik versetzte. Sie wusste, wie dumm das war, konnte jedoch nichts daran ändern. Nur deswegen war sie wohl auch so schreckhaft und furchtbar sensibel, glaubte hinter jeder Ecke eine potentielle Gefahr zu sehen, solange Marek nicht wieder in ihrer Nähe war.
Sie schüttelte den Kopf über sich selbst, ergriff beherzt den Holzlöffel, den der Wirt neben ihre Schüssel gelegt hatte, und begann zu essen. Sie wusste nicht, um was für einen Eintopf es sich handelte, doch er schmeckte genauso gut, wie er roch, und sorgte bald für ein wunderbar warmes Gefühl in ihrem Bauch. Schnell waren ihre Ängste vergessen und sie begann sich wieder zu entspannen. Leider kamen mit der Entspannung und dem Mangel an Unterhaltung aber auch ihre nervigen Überlegungen zurück. Mareks Worte vom vorherigen Abend hatten sie nicht losgelassen. Vor allen Dingen das, was er über Leons Freunde und Verbündete gesagt hatte.
Natürlich war es möglich, dass der Krieger bewusst versuchte, ihren Argwohn gegenüber diesen Leuten zu schüren, um sie noch mehr an sich zu binden, an seinen Worten war allerdings einiges dran. Menschen, die in Kriegen kämpfen, standen unter großem Druck und starken psychischen Belastungen. Fremden wurde schnell misstraut. Das war hier gewiss nicht anders als in ihrer Welt. Und objektiv gesehen, konnte sie verstehen, dass man sie für eine Verräterin hielt, wenn man erfuhr, dass sie mit Marek geschlafen hatte. Selbst wenn es bei diesem einen Mal blieb – und sie gab sich momentan große Mühe, nicht wieder rückfällig zu werden – würde jeder, der davon erfuhr, sie garantiert für seine Geliebte halten, was dann für alle hieß, dass sie die Seiten gewechselt hatte. Die Menschen taten aus Liebe die dümmsten Sachen – es war also angebracht, so etwas zu denken. Sie konnten ja nicht wissen, dass hier keine Liebe im Spiel war. Ganz bestimmt nicht. Körperliche Anziehung, die gab es. Immer noch. Das würde sie auch nicht bestreiten. Verständnis füreinander, das hatte sich wohl auch entwickelt. Es war ja nicht zu vermeiden gewesen, nachdem sie diese magische Verbindung zueinander aufgebaut hatten. Jenna konnte auch zugeben, das sie Marek ein klein wenig lieb gewonnen hatte. Aber richtige, tiefe Liebe – nein, das war es nicht. Schon gar nicht von seiner Seite aus.
Jenna verspürte bei diesem Gedanken einen kleinen Stich in ihrer Brust und runzelte verärgert die Stirn. Was sollte das denn? Das war einfach nur albern! Verlangte es einem Teil von ihr selbst tatsächlich danach, dass Marek mehr für sie empfand? Das war doch völlig irrsinnig!
Sie biss verärgert in ihr Brot, riss ein weiteres Stück von dem Kanten ab, der noch übrig war, und begann damit die Reste der Suppe aufzudippen.
Schlag dir das aus dem Kopf, Jenna!, befahl sie sich selbst. Du fasst den Mann nicht mehr an! Zumindest nicht auf anstößige Art und Weise! Freundschaft ist gut, um deinen Zielen näher zu kommen. Alles, was darüber hinausgeht, ist schlecht. Reiß dich zusammen!
Der Teller war nun endlich leer und sie schob ihn zur Seite, um dann ihren Becher zu ergreifen und das so wundervoll frische Wasser zu trinken. Ihr Blick wanderte dabei erneut durch den Raum und blieb an dem Gesicht des düsteren Mannes hängen. Er hatte ebenfalls aufgegessen und sah sie starr an. Kalte, dunkle Augen, in denen ein seltsamer Ausdruck lag, den sie noch nicht so ganz einsortieren konnte. Im Grunde wollte sie das auch gar nicht. Sie senkte rasch den Blick, betrachtete eingehend ihren Becher, in der Hoffnung, dass der Fremde etwas Interessanteres als sie zum Ansehen fand.
Ein Stuhl schabte hörbar über den Boden und jemand stand auf. Schritte ertönten; Schritte, die sich ihr näherten. Ihr Herz setzte einen Augenblick aus und raste dann gnadenlos los. Ein paar Sekunden lang hielt sie es noch aus, den Kopf gesenkt zu halten, dann wurde ihre Angst zu groß und sie hob den Blick. Der Mann war nur noch wenige Schritte von ihr entfernt und fixierte sie weiterhin mit kaltem Blick. Das Lächeln, das auf seinen Lippen lag, war alles andere als authentisch. Jenna setzte sich rasch auf und straffte die schmerzenden Schultern.
Nur keine Angst zeigen! Ganz entspannt und selbstbewusst reagieren! Das kann durchaus eine abschreckende Wirkung haben, ihn zumindest aus dem Takt bringen und zögern lassen.
Marek hatte gesagt, dass er nicht viel Zeit brauchen würde, um die Besorgungen zu machen, und es war schon einige Zeit vergangen. Sie musste den Fremden nur solange in Schach halten, bis er da war.
Sie hatte sich nicht geirrt. Der Mann war nicht nur groß – er war ein Hüne und dazu ausgesprochen kräftig gebaut. So wie Kaamo. Nur leider machte er einen weitaus weniger freundlichen und schon gar nicht vertrauenserweckenden Eindruck.
„Wie kann man eine so hübsche, junge Frau ganz allein durch diese Gegend reisen lassen?“, sagte er, als er vor ihrem Tisch stehengeblieben war und sie gründlich von oben bis unten gemustert hatte. „Das geht nun wirklich nicht! Ich leiste dir mal Gesellschaft, ja?“
Jenna schüttelte den Kopf und öffnete den Mund, um sein Angebot auch verbal abzulehnen, doch der Mann setzte sich einfach ihr gegenüber an den Tisch und hob die Hände.
„Schon gut – brauchst dich nicht zu bedanken.“
„Nein, ich …“
„Ich bin Norit. Ein Händler. Auf der Durchreise. Und wo kommst du hübsches Püppchen her?“
Erst wollte Jenna ihm gar nicht antworten, doch dann überlegte sie es sich anders.
„Ich wohne hier in der Nähe – mit meinem Mann“, erwiderte sie, bevor der gruselige Kerl sie wieder unterbrechen konnte. „Er ist auch hier im Dorf und bestimmt wenig erfreut, wenn er dich hier vorfindet. Du solltest besser wieder gehen.“
Sie meinte das ernst. Diese ganze Angelegenheit konnte für diesen Neandertaler böse enden, wenn Marek ihn bei seinem Eintreffen hier am Tisch vorfand. Norit entschied sich jedoch dazu, sie nicht ernst zu nehmen, lehnte sich mit einem arroganten Lächeln auf der Bank zurück und musterte sie ein weiteres Mal provokant.
„Eifersüchtige Ehemänner machen mir keine Angst“, erwiderte er gelassen und legte nachdrücklich eine seiner riesigen Hände auf den Knauf seines Schwertes, das an seiner Seite hing. „Außerdem unterhalten wir beide uns ja nur ein bisschen.“
Er lehnte sich vor und zwang Jenna dazu, sich in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen. Ihre Augen huschten hinüber zu dem Tresen, an dem der Wirt gerade einem anderen Gast etwas einschenkte. Für einen kurzen Augenblick kreuzten sich ihre Blicke. Jenna hoffte, dass der Mann ihre Not wahrnahm, aber er blieb, wo er war, drehte sich in seinem Gespräch mit dem andern Gast sogar so, dass sie sich nicht mehr in seinem Blickfeld befand. So viel zur Zivil-Courage in Falaysia.
„Sag – wo kommst du wirklich her?“, bohrte der unangenehme Fremde weiter nach. „Du hast einen komischen Akzent. Bist du aus dem Osten?“
„Ich bin dort geboren“, erwiderte Jenna rasch.
„Und dann mit dem Ehemann hergezogen?“
Sie lächelte falsch. „Ganz genau. Wisst Ihr, mir ist wirklich nicht nach einem Gespräch. Ich hatte einen anstrengenden Tag und habe nun furchtbare Kopfschmerzen. Entschuldigt mich bitte.“
Sie wollte aufstehen, doch die Hand des grobschlächtigen Kerls schnellte auf einmal vor, packte ihren Arm und zog sie nach vorn, hinunter auf den Tisch, sodass sie sich auf diesem abstützen musste und es ihr unmöglich war, ihren Plan in die Tat umzusetzen.
„Mir ist aber nach einem Gespräch!“, knurrte Norit und sah sie so drohend an, dass sie sofort nickte. Ihr Puls hämmerte in ihren Schläfen und die wachsende Angst drückte ihr die Brust zusammen.
„Wenn ich mich wieder setzen soll, müsst ihr mich loslassen“, erinnerte sie ihn vorsichtig.
Norits Oberlippe zuckte ungnädig, doch schließlich kam er ihrer Bitte widerwillig nach und sie konnte sich setzen.
„Dein Mann, wie heißt der?“, brummte er.
„Jerik“, platzte es aus ihr heraus. Sie wunderte sich, woher sie diesen Namen so schnell hatte. Wahrscheinlich hatte sie ihn bei einem von Mareks Kriegern aufgeschnappt.
Norits Blick wurde seltsamerweise noch ein wenig finsterer. „Bist du sicher?“
Jenna antwortete nicht sofort. Das Verhalten des Mannes machte ihr nicht nur Angst, es irritierte sie zusätzlich. Was wollte er von ihr hören? Wusste er etwa, wer sie war und mit wem sie unterwegs war?
„Na los!“, forderte Norit sie ungeduldig auf. „Wie heißt der Kerl, den du für deinen Mann ausgibst?“
„Das habe ich doch schon gesagt“, erwiderte sie, obwohl sie genau wusste, dass diese Worte üble Konsequenzen nach sich ziehen konnten. Ein Gefühl in ihrem Inneren, sagte ihr allerdings, dass ihre Notlage sich eher noch verschärfen würde, wenn sie Mareks tatsächlichen Namen nannte. Norit war nicht ohne Grund hier. Er hatte nach ihnen gesucht. Mit Sicherheit.
Der Hüne reagierte nicht sofort verbal. Stattdessen schoss erneut eine seiner Pranken auf sie zu. Jenna wich zurück, dennoch gelang es ihm, ihr Handgelenk zu packen und sie ein Stück zu sich über den Tisch zu ziehen. Sowohl Teller als auch Becher ihrer Mahlzeit fielen klappernd zu Boden und Jenna wagte es nicht mehr, sich zu regen.
„Du lügst mich an!“, grollte der Widerling und Speicheltropfen trafen dabei auf ihre Stirn und Wange. „Ich hasse es, wenn ich angelogen werde!“
„Ich …“, begann sie, konnte ihren Satz jedoch nicht weiterführen, weil ein erstickter Schmerzlaut aus ihrer Kehle drang. Norit hatte in ihr Haar gegriffen und zog ihren Kopf hinunter auf den Tisch, sodass ihre Wange gegen das glatte Holz gepresst wurde. Jenna begann zu zittern, wagte es kaum noch, zu atmen, denn sie fühlte auf einmal den kalten Stahl einer Klinge an ihrer Kehle.
Norit brachte seinen Mund dicht an ihr Ohr heran. „Keiner wird dir hier helfen, Schätzchen“, brummte er. „Du sagst mir besser, wer und wo dein ‚Ehemann‘ ist oder ich schlitze dir die Kehle auf und lasse dich hier ganz langsam verbluten. Hast du das verstanden?“
Jenna reagierte nicht. Sie konnte nicht, hatte zu große Angst, um auch nur einen Finger zu regen.
„Sie müsste schon taub sein, um dich nicht zu hören, wenn man bedenkt, dass du ihr beim Sprechen fast ins Ohr beißt“, ertönte auf einmal eine tiefe, ihr sehr vertraute Stimme über ihr. Die schönste Stimme, die sie je in ihrem Leben gehört hatte.
Norit hob seinen Kopf und ermöglichte es ihr damit, ebenfalls hinauf in Mareks Gesicht zu blicken. Kalt und ausdruckslos. Seine Lippen trugen ein Lächeln, das tödlicher nicht sein konnte. Norit war ein toter Mann. Er wusste es nur noch nicht.
„Wusste ich es doch!“, stieß er mit einem widerlichen Lachen aus, hielt jedoch seinen Dolch weiter an ihre Kehle.
„Tatsächlich?“, erkundigte sich Marek kühl. „Und warum tust du dann so etwas Dummes?“
„Ich wollte mich nur ein wenig mit ihr unterhalten“, erklärte der Widerling und bewegte nun endlich seinen Dolch von Jennas Hals weg. Sie holte tief Atem und richtete sich vorsichtig auf. Alles in ihr schrie danach, aufzuspringen und sich hinter Marek zu verstecken, aber sie wusste genau, wie gefährlich die Situation noch war. Nur eine falsche Bewegung konnte dafür sorgen, dass die beiden Männer aufeinander losgingen oder gar sie erneut angegriffen wurde.
„Dasselbe gilt für dich … Marek“, fuhr der Hüne fort und legte demonstrativ das Messer vor sich auf den Tisch. „Ich will mich nur mit dir unterhalten. Setz dich doch zu uns.“
Marek kippte ein wenig den Kopf zur Seite und das nächste Haifischlächeln fand sich auf seinem Gesicht ein. „Du scheinst nicht zu begreifen, in was für eine Situation du dich mit deinem undurchdachten Verhalten gebracht hast.“ Er musterte den Mann abfällig. „Nun, wahrscheinlich bist du weniger der große Denker als der Mann fürs Grobe.“
Norits falsche Freundlichkeit verschwand bei diesen provokanten Worten umgehend aus seinem kantigen Gesicht und sein Körper spannte sich an. Jennas Herz donnerte in ihrer Brust und es fiel ihr fruchtbar schwer, noch ruhig zu atmen. Das hier ließ sich nicht mehr mit Worten lösen und Marek schien auch kein Interesse daran zu haben. Was sollte sie jetzt tun? Sie konnte unmöglich eingreifen, ohne ihn zu gefährden. Und … wollte sie das überhaupt? Sie musste zugeben, dass ein großer Teil von ihr sich innig wünschte, dass er diesen Mann aus ihrer Reichweite entfernte. Nachhaltig. Egal wie.
„Pass mal auf, ich …“, begann Norit, doch Marek hob so streng die Hand, das er seinen Satz tatsächlich abbrach.
„Nein – du passt jetzt besser auf!“, zischte der Kriegerfürst und machte einen minimalen Schritt auf den Riesen zu. „Ich gebe dir fünf Sekunden, um das Weite zu suchen. Nutze sie!“
Norit lachte verärgert, seine Hand wanderte jedoch zum Knauf seines Schwertes. „Ich denke nicht, dass du …“
Marek bewegte sich schnell, so schnell, dass Jenna nicht sofort registrierte, was er tat. Sie bemerkte nur, dass er auf einmal dicht vor Norit war, seinen Schopf packte und damit den Kopf des Mannes nach hinten zog. Seine andere Hand, in der sich plötzlich ein Gegenstand befand, stieß im selben Moment nach vorne. Ein gänsehauterzeugendes Gurgeln tönte aus Norits Kehle. Blut spritzte dabei aus seinem Mund und seine Hände fuhren reflexartig nach oben, packten Mareks Arm. Sie besaßen gleichwohl nicht die Kraft, etwas auszurichten. Der Riese schnappte mit geweiteten Augen nach Luft, doch der Dolch, den Marek ihm in den Hals gerammt hatte – das erkannte Jenna jetzt – hatte ein zu großes Loch in seine Luftröhre und Halsschlagader geschlagen. Er konnte nicht mehr atmen, musste an seinem eigenen Blut ersticken.
Marek hielt den zuckenden Mann noch einen Moment fest, einen Ausdruck kalter Verachtung und mörderischer Wut in den Augen tragend. Dann zog er das Messer mit einem Ruck aus Norits Kehle und ließ ihn vornüber auf den Tisch kippen.
Jenna starrte den sterbenden Mann mit weit aufgerissenen Augen an, die Hände entsetzt vor den Mund geschlagen, und rang nach Luft. All ihre Eingeweide hatten sich zusammengezogen und eine unerträgliche Übelkeit stieg in ihr hoch, als sich unter Norit nun auch noch eine leuchtend rote Blutlache auszubreiten begann.
„Er hatte seine fünf Sekunden“, brummte Marek in ihre Richtung, konnte damit aber nicht über die Anspannung in seiner Stimme hinwegtäuschen. Er packte erneut Norits Schopf und hob das lange Haar so weit an, dass er seinen Nacken betrachten konnte.
War das eine Tätowierung? Jenna konnte es von ihrem Blickwinkel aus nicht so richtig erkennen und wenn sie ehrlich war, hatte sie auch keine Nerven dafür, zu sehr hatte sie noch mit den Reaktionen ihres eigenen Körpers zu kämpfen, bekam kaum mit, was um sie herum passierte. Mareks Blick war es, der ihr verriet, dass diese Tätowierung keine positive Bedeutung hatte. Besorgnis blitzte deutlich in dem hellen Blau seiner Katzenaugen auf, dann flog sein Kopf auch schon herum, so als hätte er eine neue Gefahr ausgemacht.
Aus einer ganz anderen Richtung ertönte ein metallisches Klicken und dann ein Sirren. Jenna wollte sich herumdrehen, doch Marek packte sie blitzschnell am Nacken und zog sie so ruckartig hinunter, dass sie mit ihrer Stirn schmerzhaft auf der Tischplatte aufschlug. Für einen Augenblick tanzten Sterne um sie herum. Dennoch nahm sie wahr, dass etwas hinter ihr in der Bank einschlug und Marek lossprang wie eine Raubkatze, die man von der Kette gelassen hatte. Es polterte laut, jemand fluchte und Jenna drehte sich benommen auf ihrem Platz, versuchte, zu erfassen, was passiert war. Aber alles, was sie noch sah, war eine zufallende Hintertür neben der Theke. Sie kniff die Augen zusammen, fasste sich an die Stirn, versuchte, wieder Herr über ihren Körper und ihre Gefühlswelt zu werden. Aufstehen … sie musste jetzt aufstehen. Konnte nicht hierbleiben …
Ihre Beine waren weich wie Butter, dennoch trugen sie ihr Gewicht. Sie taumelte vorwärts, an den vor Schreck erstarrten Gästen und dem entsetzten Wirt vorbei, der hinter seiner Theke Deckung gesucht hatte und nun ängstlich in den totenstillen Raum spähte. Sie warf ihm einen bitterbösen Blick zu, bevor sie die Hintertür aufdrückte und hinaus ins Freie stolperte.
Marek befand sich nicht weit vom Haus entfernt immer noch auf dem Hof der Wirtsstube. Er hockte am Boden, hatte ein Knie auf die Brust des anderen Angreifers gedrückt, sodass dieser nicht mehr aufstehen konnte und drückte ihm mit einer Hand den Hals zu. Die andere umklammerte einen Dolch, der tief in der Schulter des Fremden steckte und zusätzlich seine Bewegungsfreiheit einschränkte.
Jenna verharrte in ihrer Bewegung. Für einen viel zu langen Augenblick wusste sie nicht, wie sie auf das, was sie sah, reagieren sollte. Es war ganz klar, was Marek da tat: Er versuchte, Informationen aus dem Fremden herauszupressen und kannte dabei keine Grenzen. Ihre Wut und Erschütterung über den Angriff auf ihr Leben war zwar noch da, allerdings setzte bei diesem Anblick auch sofort ihr Gefühl für Recht und Unrecht ein, das noch verstärkt wurde, als die ersten Schmerzenslaute des Gepeinigten an ihre Ohren drangen.
Sie eilte wieder los. Dieses Mal, um Marek davon abzuhalten, den Mann weiter zu foltern. Der Krieger nahm wohl wahr, welchen Zweck ihre Annäherung hatte. Er hob kurz den Blick, wandte sich dann jedoch wieder rasch ab und richtete sich etwas auf. Jenna wollte schon dankbar lächeln, als Marek den Hals des Mannes losließ und den Dolch aus seiner Schulter zog, doch dann packte er diesen plötzlich mit beiden Händen und stieß ihn hinab, direkt in das linke Auge seines Gegners. Es knackte laut, Blut spritzte und sämtliche Spannung wich aus dem Leib des Fremden.
Jenna blieb ruckartig stehen und presste sich die Hand vor den Mund. Das war zu viel. Einfach zu viel. Sie würgte, taumelte an die Mauer, die den Hof begrenzte, und übergab sich schließlich hinter einer Regentonne, beförderte alles, was sie zuvor zu sich genommen hatte, in den Sand vor ihren Füßen. Schließlich stützte sie sich matt an die kühle Steinwand und schloss die Augen. Ihre Ohren summten und ihre Beine zitterten. Nur ganz langsam entkrampfte sich ihr Magen wieder. Sie musste vergessen, was sie gerade eben gesehen hatte, durfte nicht mehr daran denken, musste die Wut auf Marek, die langsam in ihr aufstieg, verdrängen.
Er hatte sie gerettet, wahrscheinlich sogar zweimal innerhalb weniger Minuten. Wer immer die Kerle gewesen waren – sie hatten ihnen nach dem Leben getrachtet, hätten sie beide wahrscheinlich genauso kaltblütig ermordet, wie Marek das jetzt mit ihnen getan hatte. Und was hätte er sonst mit ihnen machen sollen? Sie abmahnen und nach Hause schicken? Damit sie ihnen dann doch wieder folgten und sie hinterrücks überfielen, wenn sich die nächste günstige Gelegenheit bot?
Sie vernahm rasche Schritte hinter sich, fühlte Marek herannahen und richtete sich auf, um sich ihm zuzuwenden. Er hatte seinen Dolch wohl abgewischt und wieder weggesteckt, wirkte allerdings immer noch etwas angespannt. Er musterte sie prüfend.
„Fertig?“, erkundigte er sich schroff, sah sie dabei jedoch nur flüchtig an. Sein Blick flog zur Tür des Wirtshauses und dann hinüber zum offenstehenden Tor des Hofes.
Sie nickte beklommen und wischte sich kurz mit dem Handrücken über den Mund, für den Fall, dass dort Spuren ihres kleinen Missgeschicks zurückgeblieben waren. Der Krieger sagte nichts weiter, packte sie stattdessen am Arm und schob sie vorwärts. Sie sah verunsichert hinüber zum Wirtshaus.
„Müssen wir nicht …“
„… bezahlen?“, erriet er ihren Gedanken. „Ich denke, der Wirt verzichtet sehr gern darauf, wenn wir im Gegenzug so schnell wie möglich von seinem Grundstück verschwinden.“
Da mochte er Recht haben. Sie konnte sich kaum vorstellen, dass der Mann gleich mit einer Rechnung hinter ihnen her rannte und sich darüber beschwerte, dass sie die Zeche prellen wollten. Er hatte gewiss genug damit zu tun, die von ihnen zurückgelassenen Leichen zu beseitigen. Leichen … Bloß nicht daran denken!
„Was … was genau ist da gerade passiert?“, stammelte Jenna, als sie bereits die Straße erreicht hatten und auf die Pferde zu eilten, die ganz ruhig vor dem Wirtshaus warteten. So wie es aussah, hatte Marek alle Sachen bekommen, die sie gebraucht hatten, denn die Tiere sahen sehr viel beladender aus als zuvor.
Der Krieger reagierte nicht auf ihre Frage. Er biss die Zähne fest aufeinander und packte Bashin so grob am Zügel, das dieser empört den Kopf hochriss und ein Stück zurücktänzelte.
„Marek!“ Jenna legte sanft eine Hand auf seinen Oberarm und brachte ihn damit doch noch dazu, sie anzusehen, anstatt sofort aufzusteigen. „Ich muss das wissen, sonst … kann ich keine Ruhe mehr finden.“
„Nicht jetzt“, gab er leise zurück. „Steig auf. Wir müssen erst aus diesem Dorf verschwinden.“
Es war nicht das, was sie hatte hören wollen, aber immerhin versprach er ihr damit, sie nicht lange in Unwissenheit schmoren zu lassen. Also nickte sie und stieg rasch auf ihr etwas schläfrig wirkendes Reittier. So viel Geduld besaß sie noch.
Das Wirtshaus lag zu ihrem Glück eher am Rand des Dorfes und so dauerte es nicht lange, bis sie den nötigen Abstand zu ihm gewonnen hatten und endlich frei sprechen konnten. Zu ihrer Überraschung brauchte Jenna Marek nicht darum bitten, das Thema wieder aufzugreifen. Er zügelte Bashin, der immer etwas schneller war als der brave Wallach, den sie ritt, und brachte sich damit auf Augenhöhe mit ihr.
„Was hat der Mann in der Wirtsstube zu dir gesagt?“, begann er ihr Gespräch leider mit einer Frage an sie.
„Er wollte wissen, woher ich komme und mit wem ich unterwegs bin“, gab Jenna wahrheitsgetreu zurück. „Aber ich glaube, er wusste das längst und wollte nur eine Bestätigung.“
Mareks Blick verfinsterte sich und als er nickte, zuckten bereits wieder seine Wangenmuskeln vor unterdrückter Wut.
„Wer waren die?“, versuchte Jenna endlich zu erfahren.
„Handlanger des Zirkels der Magier.“
Jenna riss ungläubig die Augen auf. „Des … des Zirkels?“
„Sie nennen sich Taleron“, erklärte Marek mit einem verbitterten Lächeln. „Die Jäger.“
Der Kloß, der begonnen hatte, sich in Jennas Hals zu bilden, machte es ihr schwer, ihre nächste Frage ohne ein Krächzen herauszubringen. „Was genau jagen sie?“
„Magisch begabte Menschen, die dem Zirkel gefährlich werden, seine Macht einschränken könnten. Sie tragen eine Tätowierung in ihrem Nacken, versteckt unter ihrem Haar.“
Daran hatte er sie also erkannt. Dennoch blinzelte Jenna verwirrt. „Aber … woher wissen sie, dass du …“
„Es ging hier nicht um mich, Jenna“, erwiderte er und ihr so empfindlicher Magen zog sich erneut zusammen. Oh nein! Bitte nicht noch einmal! Da war doch gar nichts mehr drin!
„Kaum jemand in Falaysia weiß über meine Kräfte Bescheid“, wurde der Krieger nun etwas genauer. „Und die, die es wissen, würden eher sterben, als es jemandem zu verraten. Aber du – du hast vor den Toren Tichuans aller Welt gezeigt, dass du immense magische Kräfte besitzt. Das spricht sich herum.“
„Aber das sind nicht meine Kräfte!“, verteidigte sich Jenna sofort. „Die Steine sind mächtig – nicht ich!“
„Richtig“, stimmte Marek ihr zu. „Aber wer die Steine unter Kontrolle hat, hält diese Macht in seinen Händen. Die Mitglieder des Zirkels wissen das besser als jeder andere in dieser Welt.“
Jenna fasste sich an den Hals, würgte den Kloß darin endlich hinunter. „Das … das heißt, die wollten allein mich töten?“
„Oder nur mitnehmen. Wenn sie dich von Anfang an hätten töten wollen, hätten sie das sofort getan und nicht erst mit dir gesprochen. Der Pfeil aus der Armbrust war eine Notlösung, weil der ursprüngliche Plan schiefgegangen war.“
Ein Pfeil! Das war es also gewesen, was hinter ihr in der Bank eingeschlagen war. Ihr schauderte bei dem Gedanken daran, wie knapp sie dem Tod entgangen war. Rasch versuchte sie, diesen wieder abzuschütteln. Ihr ging es schon schlecht genug, da konnte sie sich nicht auch noch mit dem beschäftigen, was alles hätte passieren können.
„Ich verstehe trotzdem nicht, warum der große Kerl so lange mit mir gesprochen hat“, gestand sie. „Warum wollte er unbedingt deinen Namen hören?“
„Vielleicht wollte er sichergehen, dass du die Zielperson bist?“, schlug Marek vor.
„Oder sie wissen doch etwas über deine Kräfte und wollten gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, überlegte sie.
Marek schüttelte nachdrücklich den Kopf. Er schien über diese Idee fast ein wenig verärgert zu sein, denn zwischen seinen Brauen bildete sich eine strenge Falte. „Das ist nicht möglich!“
„Es handelt sich doch um den Zirkel der Magier, zu dem Nefian einst gehört hat“, begründete sie eilig ihre Annahme. „Vielleicht gibt es Aufzeichnungen über seine Lehrlinge.“
„Ich bin offiziell tot, Jenna!“, widersprach er ihr streng. „Wir haben dafür gesorgt, dass sich dieses Gerücht herumspricht. Ich wollte ein neues Leben, eine neue Identität und die habe ich bekommen. Niemand anderer weiß, wer ich mal war und woher ich eigentlich komme. Niemand! Das wird nicht wieder von vorn losgehen!“
Jenna kniff ein wenig die Augen zusammen, studierte nachdenklich sein Gesicht, bis er es von ihr wegdrehte, nach vorne auf den Weg sah. Ihr prüfender Blick schien ihm äußerst unangenehm zu sein. Sie wusste auch weshalb. Er hatte ihr mit seinen letzten Worten wieder einmal mehr verraten, als ihm zuerst bewusst gewesen war. Nun aber, da ihm klar wurde, was er gesagt hatte, ließ es sich nicht mehr rückgängig machen.
„Der Zirkel muss früher unwahrscheinlich mächtig gewesen sein“, sagte sie leise, nachdem sie für ein paar Sekunden nur still nebeneinander her geritten waren. „Wenn er nicht nur hier, sondern auch in meiner Welt Fuß fassen und für so lange Zeit bestehen konnte.“
Sie beobachtete sein Gesicht ganz genau, registrierte sofort das erneute Anspannen seiner Kiefermuskulatur. Sie lag also mit ihrer Vermutung richtig. Jetzt war Vorsicht angesagt, wenn sie wenigstens noch ein paar neue Informationen bekommen wollte.
„Meine Großmutter fühlte sich Zeit ihres Lebens von jemanden beobachtet und bedroht – das hat mir meine Mutter gestanden, kurz bevor sie starb“, fuhr sie leise fort und wunderte sich, wie schmerzhaft es immer noch war, darüber zu sprechen. Gleichwohl fühlte sie, dass sie Marek mit diesen Worten erreichte, erkannte es daran, dass sein Kopf sich minimal drehte, er genauer hinhörte und sogar einen kurzen Blick über die Schulter riskierte.
„Vielleicht war es der Zirkel, vor dem sie sich fürchtete“, setzte sie hinzu. „Das würde so viel erklären.“
Jetzt sah er sie wieder an, wärmer und offener als zuvor, aber immer noch mit sichtbarer Vorsicht. „Würde es das?“
„Ich denke schon“, erwiderte sie. „Meine Großmutter glaubte fest an die Magie, praktizierte sie laut meiner Mutter auch bis zu ihrem Lebensende. Sie sprach immer wieder Warnungen an ihre Kinder aus. Meine Mutter und ihre Schwestern lebten sogar unter anderen Namen und wagten es kaum, sich in der Öffentlichkeit zu treffen, obwohl alle glaubten, dass Großmutter verrückt war.“
Sie lächelte traurig. Es war so seltsam, mit Marek über solch private Dinge zu reden, und tat gleichzeitig so gut, weil sie zum ersten Mal jemanden vor sich hatte, der nicht entgeistert auf ihre ungewöhnliche Familiengeschichte reagierte, sondern mit großem Verständnis, das so deutlich aus seinen Augen sprach.
„Aber wahrscheinlich wusste sie einfach nur sehr viel mehr als jeder andere und versuchte, ihre Familie, so gut es ging, zu schützen“, setzte sie mit belegter Stimme hinzu. „Ihr war egal, dass sie für verrückt gehalten wurde und jeder mitleidig auf sie hinab sah. Wichtig war nur, dass ihren Kindern nichts zustieß.“
Marek nickte kaum merklich und senkte den Blick. „Manche Mütter sind so selbstlos“, stimmte er ihr leise zu und sah dann wieder nach vorn, eine Melancholie in seinen Augen tragend, die der ihren wohl in nichts nachstand. „Geben sich auf, um ihre Kinder zu retten…“
Jenna kniff die Lippen zusammen und drängte die Tränen zurück, die ihr in die Augen steigen wollten. Jetzt zusammen mit Marek um ihre verstorbenen Mütter zu trauern, war wenig hilfreich. Sie musste stattdessen den Zugang zu ihm offen halten, noch mehr erfahren, weiter hinter seine sonst so starre, kühle Fassade blicken.
„Wahrscheinlich haben wir es nur ihrem Einsatz zu verdanken, dass uns die Taleron nie gefährlich geworden sind“, fügte sie an.
Mareks Augen fanden zurück zu den ihren. „Wahrscheinlich ist deine Familie nie verfolgt, sondern immer nur überwacht worden“, vermutete er. „Und das übernehmen ohnehin nicht die Taleron.“
„Wer dann?“
„Die Garong. Die Wächter. Sie sind nur sehr schwer zu entdecken, können sich hinter jeder noch so unauffälligen Person in deiner Nähe verstecken. Es kann dein Nachbar sein, der Besitzer des Tante Emma Ladens nebenan, ein Bekannter. Sogar entfernte Verwandte. Sie alle könne diese Rolle haben.“
„Und was genau soll das? Was überprüfen sie?“
„Ob jemand Magie einsetzt und wofür. Wie stark die Fähigkeiten sind. Ob man diese regelmäßig trainiert und damit seine Kräfte anwachsen lässt. Mit wem man sich abgibt. All so etwas.“
„Und wenn man etwas tut, das ihnen nicht gefällt?“
„Schickt man dir die Taleron auf den Hals.“
„Das heißt der Einsatz meiner Kräfte vor Tichuan …“
„… hat ihnen gar nicht gefallen.“
„Warum haben sie dich schon als Kind gejagt?“ Jenna hatte das nicht fragen wollen. Zumindest nicht auf so plumpe Art und Weise. Es war einfach aus ihr herausgeplatzt und musste auf Marek wie eine verbale Ohrfeige wirken. Eine, die ihn wachrüttelte. Zumindest sah er danach aus. Aus der Überraschung, die sich in seinem Gesicht abzeichnete, wurde innerhalb von Sekunden Verärgerung und schließlich Abwehr.
„Das gehört zu meinem alten Leben und nicht hierher!“, gab er schroff zurück. „Du solltest dich besser um deine eigene Zukunft und nicht um meine Vergangenheit scheren.“
Jenna nickte rasch einsichtig. Dass diese beiden Dinge aus ihrer Sicht miteinander verknüpft waren, behielt sie vorerst lieber für sich. Schritt für Schritt – so musste sie sich an Mareks Geheimnisse herantasten. Es gab keinen anderen Weg. Und heute hatte sie leider bereits einen Schritt zu viel gemacht.
„Das werde ich“, versprach sie deswegen gleich. „Es tut mir leid. Das war nur … der ganze Stress und die Erschöpfung. Ich muss das alles erst einmal verarbeiten, weil es mich so schrecklich aufgewühlt hat.“
Ihre Worte stimmten ihn sofort gnädig, denn die für ihn so typische Kälte verschwand gleich wieder aus seinen Augen.
„Wir müssen leider unser Tempo auch noch ein wenig anziehen“, erwiderte der Krieger ungleich sanfter. „Ich befürchte, dass die beiden Kerle in Kirad-He nicht die einzigen sind, die man auf uns angesetzt hat. Je eher wir das Lager erreichen, desto besser.“
Jenna seufzte schwermütig. „Du sagtest, es ist nicht mehr weit?“
„In zwei bis drei Stunden müssten wir da sein“, war die tröstende Antwort. „Ein Händler hat mir bestätigt, dass ein paar Bakitarer vor einigen Tagen Vorräte im Dorf gekauft haben. Ich gehe davon aus, dass sie diese nicht allzu weit geschleppt haben, bei den Mengenangaben, die er mir verraten hat. Schwätzer.“ Er schüttelte verständnislos den Kopf.
Erleichterung ergriff von Jenna Besitz. Ein seltsames Gefühl, bedachte man dabei, dass sie sich mitten in ein Lager gefährlicher Krieger begeben wollte, die ihr als ‚Hexe‘ nicht allzu freundlich gesonnen waren. Doch die Männer gehörten zu Marek und würden sich seinen Befehlen fügen. Also war sie dort augenblicklich gewiss sicherer als hier draußen in der Fremde, mit den Häschern des Zirkels auf den Fersen.
Mareks Gesichtszüge hatten sich immer noch nicht vollständig entspannt. Etwas lastete ihm noch auf der Seele, schimmerte in seinen Augen. Schließlich beugte er sich ein wenig zu ihr hinüber und sah sie eindringlich an.
„So wie sich alles zu entwickeln scheint, solltest du besser bei mir bleiben“, riet er ihr. „Selbst wenn es Leon und seinen Freunden gelingen sollte, uns irgendwie aufzustöbern.“
Für einen kleinen Moment ruhten seine hellen Augen noch auf ihrem Gesicht, doch er fügte seinen Worten nichts mehr hinzu, wandte sich schließlich ab und trabte ihr voran, den steinigen Weg hinab, der vor ihnen lag. Eine Begründung für seinen Rat bekam sie nicht. Im Grunde brauchte sie diese auch nicht, denn das letzte schreckliche Erlebnis hatte ihr diese mehr als eindrücklich geliefert: Wenn sie irgendwo noch einigermaßen sicher war, dann an Mareks Seite.

 

 

Geheimnisse

„Bist du sicher, dass wir hier richtig sind?“
Cilai flüsterte zwar, dennoch führte Leon sofort seinen Zeigefinger an den Mund, um ihr zu übermitteln, dass sie weiterhin leise sein mussten. Sie befanden sich im wenig belebten Westflügel des Hauptgebäudes, auf der Suche nach der von Renon beschriebenen versteckten Kammer und Leon wollte um jeden Preis vermeiden, dass sie dabei bemerkt wurden. Der König hatte sich klar ausgedrückt: Niemand außer Leon sollte momentan darüber informiert sein. Allein dass er Cilai in alles eingeweiht hatte, war schon ein Verstoß gegen diese Absprache, doch Leon hatte nicht anders handeln können. Er brauchte wenigstens eine Person, mit der er sich über alles austauschen und die ihm zur Not auch helfen konnte, sonst drehte er in nicht allzu ferner Zukunft noch durch.
Cilai war absolut vertrauenswürdig und ausgesprochen gut darin, Geheimnisse für sich zu behalten. Sie hatte früh über Leons und Saras heimliche Unternehmungen bezüglich der Rückkehr in ihre Welt Bescheid gewusst und dieses Wissen nie an jemand anderen weitergegeben. Nein, sie hatte sie sogar oftmals geschützt und gedeckt und sich deswegen so manchen Ärger eingefangen. Auch ihre Liebesbeziehung war lange Zeit durch Cilais Mithilfe verborgen geblieben. Leon war sich sicher, dass somit auch die Informationen aus dem Gespräch mit König Renon bei ihr in sicheren Händen waren.
Er nahm seine Freundin sanft am Arm und zog sie in die dunkle Ecke unter einer hölzernen Wendeltreppe, die hinauf in den Westturm führte. Soweit er informiert war, war die Burg bei Renons Eintreffen, stellenweise so arg zerstört gewesen, dass sie etliche Treppen vorerst mit Holz hatten nachbilden müssen. Allerdings sah diese schon etwas älter aus.
„Der König sagte, die erste Tür zur Kammer läge im Westflügel, ganz in der Nähe der zweiten Waffenkammer“, erklärte er leise. „Sie sei sehr unauffällig und leicht zu übersehen.“
„Also gut …“ Cilai blickte zurück in die Richtung, aus der sie gekommen waren. „Die Waffenkammer haben wir gerade passiert.“ Sie sah sich um. „Das dort drüben könnte eine Kemenate für Dienstpersonal sein. Das daneben ebenfalls.“
„Ja, könnte“, setzte Leon hinzu. „Aber Renon sagte ja sie sei unauffällig.“
„Was ist mit oben?“ Sie wies auf die Treppe, unter der sie standen.
„Kann ich mir nicht vorstellen …“ Leons Blick glitt die Stufen hinauf, doch er hielt sofort wieder inne. Ganz am Rande hatte er etwas wahrgenommen, weiter unten, in der Ecke, in der sie standen. Er runzelte die Stirn und kniff die Augen zusammen. „Warte mal …“
Seine Freundin trat sofort zur Seite und Leon schob sich an ihr vorbei. Er hatte sich nicht getäuscht. In der Steinwand unterhalb der Treppe befand sich eine schmale Tür, die in der Dunkelheit, in der sie lag, kaum zu entdecken war.
„So was!“, stieß Cilai verblüfft aus.
Leon hatte bereits in die Seitentasche seines Wamses gegriffen und den Schlüssel herausgeholt, den der König ihm gegeben hatte.
„Drück die Daumen, dass er passt“, forderte er die junge Frau auf und schob diesen ins Schloss. Er holte tief Luft und wagte es erst dann, ihn herumzudrehen. Es funktionierte! Das Schloss quietschte noch nicht einmal und die Tür stand in der nächsten Sekunde offen. Leider war dahinter nicht viel zu sehen, da der nächste Flur oder auch Raum jegliches Licht von außen verschluckte. Schwarze Düsternis tat sich vor ihnen auf.
„Warte!“, raunte Cilai ihm zu und eilte zurück in den Flur, um dort eine der Fackeln aus der Halterung zu nehmen. Im Nu war sie wieder bei ihm und nickte ihm auffordernd zu.
Leon bedachte sie mit einem warmen Lächeln. „Nach ihnen, Mylady“, sagte er.
Cilai machte grinsend einen kleinen Knicks, bevor sie seiner Aufforderung nachkam und durch die Tür schritt. Leon folgte ihr sofort. Sie betraten tatsächlich einen kleinen Flur, an dessen Ende sich eine weitere Tür befand, zu der höchstwahrscheinlich der zweite Schlüssel am Ring gehörte. Leon schloss die Außentür sicherheitshalber hinter ihnen ab und folgte dann erst seiner Freundin hinüber zum nächsten Durchgang.
„Sieh mal! Da wurde etwas eingebrannt“, empfing ihn Cilai. Ihre Finger fuhren die rötlichen Linien entlang, die ein verschnörkeltes H zu formen schienen. H für Hemetion, den größten Zauberer der Weltgeschichte. Sie waren ihrem Ziel ganz nahe!
Leons Puls beschleunigte sich noch ein wenig, als er den zweiten Schlüssel im Schloss herumdrehte und sich die Tür vor ihnen knarrend öffnete. Mit angehaltenem Atem trat er ein. Der Raum dahinter war nicht allzu groß, aber auch nicht so klein, wie Leon angenommen hatte. Eine der Wände beschrieb einen Halbbogen, was ihn zu der Vermutung führte, dass sie sich im unteren Bereich des Westturmes befanden. Helles Tageslicht fiel durch zwei schmale Fenster im oberen Teil der Wand und trug mit dazu bei, dass sie die vielen Bücherregale, die vom Boden bis zur Decke alle übrigen Wände bekleideten, ohne Schwierigkeiten erkennen konnten. Bücher über Bücher. Große, kleine, dicke, dünne. Zwei von den mächtigeren Exemplaren lagen aufgeschlagen auf dem Tisch in der Mitte des Raumes, vor einem großen, mit abgenutztem Leder bespanntem Armsessel.
Leon lief etwas unschlüssig darauf zu, dabei weiter die Zauberkammer Hemetions in Augenschein nehmend. Ein paar große Kisten waren in einer Ecke aufeinander gestapelt worden und ein weiterer schmaler Tisch stand vor einem der Regale. Jetzt erst bemerkte Leon, dass dieses nicht nur Bücher beherbergte, sondern auch Fläschchen, Ampullen, Krüge und Becher. Ganz in der Nähe gab es sogar einen kleinen Kamin, über dessen schon vor langer Zeit erstorbener Feuerstelle ein Topf hing.
„Das ist …“ Cilai sah sich ebenso fasziniert wie er in dem Raum um, strich mit ihrer Hand ehrfürchtig über die verstaubten Rücken der Bücher in einem der Regale. „… beeindruckend …“
„Allerdings“, stimmte Leon ihr zu. Er hatte nun den Tisch erreicht und warf einen Blick auf die Werke. Sie waren in einer nicht sehr sauberen Handschrift verfasst worden und er benötigte ein wenig Zeit, um den ersten Satz zu entziffern.
Es gibt wohl kaum einen Ort in dieser Welt, der schöner ist. Alles ist so friedlich. Vollkommene Harmonie in der realen und der spirituellen Welt. Ich wünschte, ich könnte für immer hier bleiben. Aber ich kann mich wohl schon glücklich schätzen, dass ich diesen Ort überhaupt sehen, erleben durfte …
„Meinst du, er hat hier seine Heiltränke gemixt?“, riss Cilai ihn aus seiner spannenden Lektüre. „Er war einer der größten Heiler, die es je gegeben hat. Meine Urgroßmutter kannte ihn persönlich und hat viel von ihm gelernt.“
„Sie hat von ihm gelernt?“, fragte Leon hellhörig.
„Nur alles Wissenswerte über die Heilkräfte der Natur“, beruhigte Cilai ihn sofort. „Sie war keine Hexe. In meiner Familie gibt es keine magischen Begabungen.“ Sie lachte leise. „Keine Sorge – ich kann dich nicht verhexen.“
Leon schenkte ihr ein verhaltenes Lächeln und wandte sich dann wieder seiner Lektüre zu. Er hörte, wie Cilai an ihn herantrat.
„Ist das, das Buch, das du gesucht hast?“
„Ich hab nicht nach einem bestimmten Buch gesucht“, erklärte er bereitwillig. „Renon hat mir erzählt, dass er bisher nur in zwei der Aufzeichnungen Hemetions hineinlesen konnte und allein schon dadurch einiges Wichtiges erfahren konnte. Ich vermute, dass das hier die Arbeiten sind.“
Cilais Neugierde war geweckt. „Was steht da?“, fragte sie und er machte ein wenig Platz, damit sie ebenfalls einen Blick auf die aufgeschlagenen Seiten werfen konnte.
„Jala-Manera“, las sie vor. „Davon habe ich schon gehört. Soll das nicht der Ort sein, an dem Ano die Völker dieser Welt erschuf?“
Leon sah sie erstaunt an. „Das höre ich zum ersten Mal.“
„Du bist ja auch nicht mit einer Großmutter aufgewachsen, die fast jede Legende und Geschichte kennt, die mit dieser Welt verbunden ist“, gab sie lächelnd zurück und musterte ihn dann nachdenklich. „Hat sie dir und Sara nicht auch ein paar dieser Geschichten erzählt, nachdem sie von eurem Geheimnis erfuhr?“
Leon nickte. „Viele der Geschichten über das Spiel der Magier habe ich von ihr. Den Rest meines spärlichen Wissens habe ich mit Renons Ergänzungen erhalten. Obwohl ich heute weiß, dass er dabei nicht ganz ehrlich zu mir war.“
Cilai legte ihm mitfühlend eine Hand auf den Unterarm. Er hatte ihr fast alles aus dem langen Gespräch mit dem König erzählt und sie hatte ganz ähnlich reagiert wie er selbst: schockiert, verblüfft, aufgeregt, fasziniert.
„Aber er ist es wenigstens jetzt“, erinnerte sie ihn sanft. „Das hier…“, sie machte eine weitgreifenden Geste durch den Raum, „ … wird uns dabei helfen, endlich der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Ich bin mir ganz sicher.“
Leon sah sich noch einmal um und seufzte leise. „Wahrscheinlich, aber es wird uns auch eine ganze Menge Zeit und Arbeit kosten.“
„Dann sollten wir möglichst sofort mit dem Lesen beginnen“, erwiderte sie und krempelte nachdrücklich die bestickten Ärmel ihres schlichten Kleides hoch. „Wonach soll ich suchen?“
„Hemetions Niederschriften“, informierte er sie bereitwillig. „Es müssen insgesamt sechs Bücher sein. Zwei davon sind schon hier, also fehlen noch vier.“
„Na dann …“ Cilai schenkte ihm noch einmal ein kleines, aufmunterndes Strahlen, dann wandte sie sich um und machte sich auf die Suche. Sie konnte nicht mehr sehen, dass auch seine Lippen sich zu einem wohlwollenden Lächeln hoben. Es war gut, dass er sie in alles eingeweiht hatte. Sie würde ihm mit Sicherheit eine große Hilfe sein.

 

Die wirklich wichtigen Informationen aus den Büchern herauszulesen, war schwieriger, als Leon anfangs gedacht hatte. Hemetions Handschrift war generell nicht leicht zu entziffern, doch manche Textpassagen waren derart unleserlich geschrieben worden, dass sich weder Cilai noch er selbst einen Sinn daraus machen konnten. Hinzu kam, dass auch die Zeit ihre Spuren in den Aufzeichnungen hinterlassen hatte. Die Tinte war stellenweise sehr blass geworden und es gab Seiten, die angerissen waren oder sich gar schon auflösten, sodass ganze Teile der Texte fehlten.
Dennoch war die Mühe, die sie sich beide machten, nicht umsonst. Die Werke auf dem Tisch hatten die Aussagen des Königs bestätigt. Das Tor, das Jenna und Leon zurück in ihre Welt bringen konnte, existierte wahrscheinlich noch heute und lag in dem geheimen Tal Jala-Manera. Aus den Niederschriften Hemetions ging hervor, dass der Berg Kesharu, der Teil des Gebirges zwischen Trachonien und Piladoma war, dieses paradiesische Becken beherbergte. Vor langer, langer Zeit hatten die Oberhäupter der verschiedenen Völker dieser Welt die ursprünglichen Zugänge zu dem Tal verschüttet und dafür ein Tunnellabyrinth im Berg anlegen lassen, das das Eindringen gewöhnlicher Menschen bisher wunderbar verhindert hatte. Wer den Weg nicht kannte, ging darin verloren, verhungerte oder verdurstete oder geriet in eine der vielen tödlichen Fallen, mit denen man die Gänge präpariert hatte.
Es hatte im Laufe der Jahrhunderte immer nur wenige Menschen gegeben, die den Weg in das Tal gekannt und dieses Geheimnis an andere weitergegeben hatten, bevor sie gestorben waren. Als der Zirkel der Magier entstanden war, hatte er dieses Ritual übernommen, um das Portal vor unrechtmäßigem Gebrauch zu schützen. Der Schlüssel, welcher tatsächlich aus den Teilstücken Cardasols bestand, war unter den Magiern verteilt, versteckt und behütet worden. So waren es nur sie gewesen, die das Tor hatten öffnen und nutzen können, was ihnen ihre Vormachtstellung in der Welt für lange Zeit gesichert hatte.
Zu seiner großen Freude fand Leon in dem zweiten Buch, das er zur Hand nahm, sogar eine Passage, in der das Öffnen des Durchganges beschrieben wurde.
„Es gibt vier Halterungen an dem Tor, für vier Steine“, erklärte er Cilai, die auf seine Aufforderung hin von ihrer Lektüre aufgesehen hatte und nun aufmerksam zuhörte. „Die Steine müssen von denen aktiviert werden, die die Energien des jeweiligen Elements beherrschen, das mit ihnen verbunden ist. Vier Elemente. Vier Zauberer. Nur sie zusammen können das Tor öffnen. So hat es Hemetion niedergeschrieben.“
„Einfach so?“, hakte die junge Frau kritisch nach.
„Natürlich nicht ‚einfach so‘, aber …“ Er stockte, kniff die Lippen zusammen und entschloss sich schließlich dazu, die Wahrheit zu sagen. „Ich kann das teilweise nicht entziffern und er drückt sich so ungenau aus.“
Cilai erhob sich von dem Hocker, mit dem sie sich an den Tisch gesetzt hatte, und trat an ihn heran, um sich neben ihm über das Buch zu beugen.
„Ein jeder muss in seinem Energiefeld versinken, muss unerschütterlich in ihm verankert sein“, las sie vor und Leon hob anerkennend die Brauen.
„Das kannst du lesen?“
Sie lächelte ein wenig verlegen. „Mein Vater schreibt ähnlich unsauber. Ich bin Schlimmeres gewohnt.“
„Was steht da noch?“
„Der … La… Ladror? Ja. Der Ladror befindet sich in der Mitte des Energiefeldes, damit er für alle gleichermaßen zu erreichen ist. Seine Energie darf nicht zu rasch und muss vor allen Dingen gleichmäßig verbraucht werden. Dies darf nicht geschehen, bevor sich das Tor wieder geschlossen hat. Sollte das Energiefeld schon zuvor instabil werden, müssen die anderen Zauberer auf ihre eigenen Reserven zurückgreifen, um den Ladror zu entlasten. Dass er stirbt, bevor das Ritual beendet ist, ist unbedingt zu vermeiden …“
Cilai verstummte, starrte die eben gelesenen Zeilen genauso schockiert an wie Leon selbst. „Stirbt?“, hauchte sie.
Leon schluckte schwer. „Ist der Ladror so etwas wie ein … menschliches Opfer?“
„Das steht hier nicht genau“, gab Cilai leise zurück. „Vielleicht ist es auch ein Tier. Jedes Lebewesen besitzt Energie.“
„Grausam ist es allemal – ganz gleich, ob nun Tier oder Mensch geopfert wird. Steht da, dass der Ladror mit Sicherheit stirbt?“
Cilais Augen wanderten über die nächsten niedergeschriebenen Worte. Der erschütterte Ausdruck in diesen versprach nichts Gutes.
„Der Ladror wird nach dem Ritual feierlich bestattet und seine Seele den Göttern des Lichts übergeben“, las sie leise vor.
„Klingt nicht nach einem Tier“, merkte Leon beklommen an.
Cilai lehnte sich ein wenig zurück, ihre Finger wanderten nachdenklich über ihre Lippen und ihre Stirn legte sich in Falten.
„Heißt das, jedes Mal, wenn die Magier das Tor öffneten, starb einer von ihnen?“, sprach sie leise die Frage aus, die auch schon in Leons Kopf herumspukte.
„Ich glaube nicht, dass sich einer von ihnen geopfert hat“, stieß Leon verbittert aus. „Sie haben sich einen unschuldigen Tölpel gegriffen, der ihnen vertraut hat und glaubte, dafür von den Göttern reich beschenkt zu werden. Das ist einfach nur … widerwärtig!“
Er stand auf und lief ein paar Schritte durch das Zimmer, wie immer, wenn ihn etwas emotional aufrüttelte. Wer konnte schon still sitzenbleiben, wenn er mit solchen Informationen konfrontiert wurde?
„Ich werde nicht zulassen, dass jemand für uns stirbt!“, sagte er mit Nachdruck. Warum nur musste seine wiedergefundene Hoffnung von solch schrecklichen Dingen zerschlagen werden?
„Es gibt bestimmt einen anderen Weg“, versuchte Cilai, ihn zu beruhigen. „Hemetion ist schon seit so langer Zeit tot und Kychona hat so etwas ganz bestimmt nicht getan. Der Zirkel war unter ihrer Leitung ein Instrument des Guten, des Friedens und der Befreiung.“
„Vielleicht hat sie aber auch das Tor nie benutzt“, wandte Leon ein, „weil sie genau wusste, welche Opfer sie bringen muss, um es zu öffnen.“
Cilai erhob sich nun ebenfalls und ging auf ihn zu. „Wir dürfen nicht so schnell aufgeben, Leon“, sagte sie sanft und hob eine Hand an sein Gesicht, strich ihm tröstend mit dem Daumen über die Wange. Es fühlte sich gut an, beruhigte ihn ein wenig.
„Wir haben erst so wenig gelesen“, fuhr sie mit weicher Stimme fort. „Wer weiß – vielleicht hat ja auch Hemetion bereits einen anderen Weg gefunden, um das Tor zu aktivieren und offen zu halten.“
Warme, braune Augen, umrahmt von langen Wimpern. Er mochte es, wenn sie ihm so nah kam, sein gesamtes Blickfeld einnahm, er die Wärme ihres Körpers spüren konnte. So beruhigend. So wundervoll. Wie gern hätte er sie jetzt in seine Arme gezogen und an sich gedrückt, sich in der Geborgenheit verloren, die ihre Präsenz ihm schenkte. Doch er durfte das nicht, durfte es sich nicht zur Angewohnheit werden lassen, sie zum Stillen seiner tiefsten Bedürfnisse zu benutzen. Wie leicht konnte so etwas außer Kontrolle geraten …
Also lächelte er sie nur an und seufzte leise. „Du hast Recht. Mein Pessimismus ist heute mal wieder ganz schnell zur Stelle.“
Sie erwiderte sein Lächeln, tätschelte ihm kurz die Wange und kehrte dann zu ihrem Platz zurück. „Wir arbeiten ja daran“, fügte sie verschmitzt hinzu.
Leon ließ sich auf seinem Stuhl nieder, allerdings konzentrierte er sich nicht sogleich wieder auf seine Lektüre. Stattdessen streckte er die Hand aus und legte sie auf Cilais. Die junge Frau sah ihn überrascht an.
„Danke“, sagte er leise und meinte es so.
Sie errötete ein wenig. „Wofür?“
„Dafür, dass du da bist und mir hilfst. In jeder Hinsicht.“
„Du bist mein bester Freund, Leon“, entgegnete sie und ihre Finger griffen nach den seinen, drückten sie sanft. „Ich werde immer da sein, wenn du mich brauchst. Immer.“
In Leons Brust wurde es ganz warm und sein Bedürfnis, Cilai in die Arme zu schließen, wuchs noch einmal an. Doch auch dieses Mal verbot er es sich, diesem Gefühl nachzugeben, lächelte nur noch einmal dankbar und ließ sie dann los, um sich wieder den Büchern zu widmen.
Es war schwer, sich auf den Text zu konzentrieren und Leon bewunderte Cilai für die Leichtigkeit, mit der sie die Schrift Hemetions entziffert hatte. Der Mann hatte keine Rücksicht auf die genommen, die nach ihm kamen und seine Werke lesen wollten, und nach einer Weile ärgerte sich Leon richtiggehend darüber. Der Zirkel und die dazugehörigen Zauberer waren ihm schon immer suspekt gewesen – mittlerweile empfand er jedoch eine immer stärker werdende Antipathie für sie.
Cilais entrüstetes Schnauben riss ihn erneut aus seinen Gedanken und Bemühungen, den Inhalt der nächsten Seite zu erfassen. Er sah sie fragend an, weil sie nun auch noch empört den Kopf schüttelte.
„Dieser Zirkel …“ Sie musste erst einmal Atem schöpfen, um einigermaßen gefasst weitersprechen zu können. „Zauberer haben, wie wir nun wissen, ja unterschiedliche Begabungen, die auf ihre Verbindung zu den Energien eines bestimmten Elements zurückzuführen sind.“
Leon nickte. So viel wusste er auch schon.
„Wenn zwei magisch begabte Menschen verschiedener Elemente ein Kind bekommen, kann dieses ebenfalls eine der beiden Veranlagungen entwickeln“, berichtete sie ihm. „Nur ganz selten geschieht es, dass dieses Kind beide Veranlagung vererbt bekommt.“
„Klingt logisch.“
„Natürlich – aber warte ab! Der Zirkel hat aus diesem Grund Beziehungen zwischen magisch Begabten verschiedener Elemente untersagt und zwar unter Todesstrafe!“
Leon starrte sie verblüfft an. „Bitte?“
„Das steht hier!“ Cilai schob ihm das Buch hinüber und wies auf die Stelle, die sie gelesen hatte. Dort stand es schwarz auf weiß.
Es ist den Magiern der verschiedenen Gruppen untersagt, Verbindungen einzugehen, aus denen ein Kind entstehen könnte. Bei Verstoß gegen dieses Gesetz, ist die Todesstrafe zu vollstrecken und das daraus entstandene Kind ebenfalls zu töten.
Leons Augen hielten sich an den Zeilen fest, während sich eine brennende Wut in seinem Inneren breit machte. Das wurde ja immer besser! Was für Unmenschen hatten sich damals da nur in dieser Gruppe zusammengeschlossen?!
„Das … das ist einfach unglaublich!“, fasste er seine Entrüstung in Worte.
„Und sieh mal darunter“, forderte Cilai ihn auf. „Sie haben extra zwei Untergruppen im Zirkel gebildet, die sich dieses Problems annahmen. Die Garong, deren Aufgabe es war, alle magisch Begabten zu registrieren und zu überwachen, und die Taleron, die Henker, die die Menschen jagten und töteten, die gegen dieses oberste Gesetz verstießen.“
Leon schüttelte fassungslos den Kopf. „Aber warum dieser ganze Aufstand? Was ist so schlimm daran, wenn ein Mensch im Bereich der Magie mehrfach begabt ist?“
„Wahrscheinlich ist er mächtiger als die anderen“, überlegte Cilai. „Wenn alle nur eine einseitige Begabung haben, kann sich keiner über den anderen erheben. Sie brauchen einander.“
„Wenn du jedoch die Fähigkeiten der anderen besitzt, kannst du dich von ihnen unabhängig machen“, fügte Leon hinzu. „Du kannst deinen eigenen Weg gehen und sie eventuell noch überflügeln. Ja, das würde die Angst dieser Leute erklären.“
Cilai betrachtete die aufgeschlagenen Seiten des Buchs. „Vielleicht hatte der Zirkel bereits schlechte Erfahrungen damit gemacht, als Hemetion das niederschrieb.“
„Gut möglich“, stimmte Leon ihr zu. „Dennoch halte ich diese Regelung für grausam und unmenschlich. Ich wundere mich, dass sich nie jemand dagegen aufgelehnt hat.“
„Das weißt du doch gar nicht“, erinnerte Cilai ihn. „Immerhin existierte dieser Verbund der Zauberer ja für eine lange Zeit nicht mehr. Zumindest nicht offiziell. Er musste sich verstecken und wieder ganz von vorn anfangen.“
Leon seufzte leise. „Leider ist ihm das wohl gelungen.“ Er sah Cilai ernst an. „Wir müssen unbedingt herausfinden, wer das initiiert hat und aus welchem Grund. Denn wenn der Zirkel zu seinen alten Werten und Regeln zurückgekehrt ist und erneut nach Macht strebt, muss er unbedingt aufgehalten werden.“
Cilai stimmt ihm mit einem nachdrücklichen Nicken zu. „Um das zu tun, müssen wir ihn aber auch verstehen, all seinen Geheimnissen auf die Spur kommen.“
„Du meinst, hier zu sitzen und diese alten Bücher zu wälzen, ist weiterhin notwendig und keine Zeitverschwendung?“, hakte Leon nach, obwohl er die Antwort darauf leider schon kannte.
„Kenne deinen Feind, denn nur so kannst du ihn besiegen“, gab Cilai zurück.
Leon seufzte noch einmal, dieses Mal jedoch tief und schwer.
„Leider hast du damit Recht“, grummelte er und schenkte ihr noch ein letztes Lächeln, bevor er sich erneut über seine so schwer verständliche Lektüre hermachte. Gewiss würde er noch auf weitere grausame Rituale und Regeln dieser machtbesessenen Organisation stoßen und das war alles andere als eine schöne Aussicht.

 

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