13. March 2013 - 19:08

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22. November 2016 - 14:53

Diatar – Kind des Lichts

Diatarebook

1. Teil der Mondiar-Trilogie

Leseproben

Rezensionen

English title: Diatar – Child of Light

Ebook:     Erscheint voraussichtlich zur Weihnachtszeit 2016!!

Softcover:   s.o.

Hardcover: nur über die Autorin bestellbar

Genre: Fantasy, Dystopie, Romanze; Fantasy, Dystopia, Romance

 

Inhalt:

Gehe nie hinaus in die Nacht.
Meide die Dunkelheit.
Betrete niemals die Höhlen der Monandor.
Sei vor der Dämmerung zuhause.

Diese Regeln werden den Diatar von Kindesbeinen an eingebläut. Wer sich nicht an sie hält, ist des Todes. Das weiß auch der junge Krieger Jaro. Doch als er in einem Kampf mit den Monandor, den Dämonen der Dunkelheit, schwer verwundet wird, gelingt es ihm nicht mehr, vor Einbruch der Nacht zurück in sein Dorf zu kehren. Es ist ausgerechnet Risa, die ihn findet und in eine Höhle schleppt. Risa, die ihm zwar bereits das Leben rettete, als sie beide noch Kinder waren, die er jedoch seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Sein Leben ein weiteres Mal in ihren Händen zu wissen, erfüllt Jaro mit Angst, denn eines weiß er mit Sicherheit: Niemand bleibt so unschuldig und gut, wie er als Kind einst gewesen ist – schon gar nicht eine menschenfressende Dämonin der Nacht …

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12. November 2016 - 18:34

Kleiner Statusbericht

Liebe Leser,

 

hier kommt ein kleiner Statusbericht aus dem Hause Linger.

Gestern habe ich meine Zulassung für die Teilnahme mit einem eigenen Stand an der Leipziger Buchmesse 2017 im Briefkasten gehabt. Das heißt, dass ich nächstes Jahr zum ersten mal an allen Tagen dort sein und u.a. kräftig signieren werde.

Die Fortsetzung von Falaysia müsste dann auch so weit sein, dass ich zumindest eine Leseprobe zur Messe mitbringen kann. Eben diese Fortsetzung besitzt mittlerweile zumindest schon mal einen Arbeitstitel (Lyamar – Vergessene Welt) und einige Seiten an Ideen und anderen wichtigen Notizen.

Hauptsächlich beschäftige ich mich derzeit jedoch mit meiner neuen Reihe und schreibe fleißig am ersten Band ‘Diatar – Kind des Lichts’. Und genau von diesem Buch (das hoffentlich noch im Dezember erscheint) gibt es jetzt eine kleine Leseprobe. Viel Spaß damit und euch allen noch ein schönes Rest-Wochenende!

 

Leseprobe ‘Diatar – Kind des Lichts’

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12. November 2016 - 18:32

Leseprobe von Diatar – Kind des Lichts

Dämonenkind

 

 

 

Jaro hatte gewusst, was passieren würde, wenn der Husten schlimmer, das Pfeifen in seiner Brust auch für alle anderen hörbar wurde. Er hatte gesehen, wie sie Miyrta weggebracht hatten, kurz vor der Dämmerung, und ohne sie zurückgekehrt waren. Das war erst zwei Monate her und sie war wie alle anderen nie wiedergekommen. Ihre Mutter hatte geweint. Nicht vor den anderen Stammesmitgliedern, aber still und leise, hinter ihrer Hütte. Jaro hatte ihr eines seiner selbst geschnitzten Holzpferde geschenkt, weil Miyrta sie so gern gehabt hatte, aber ihre Mutter hatte es nicht gewollt, war schnell in ihre Hütte verschwunden. Jaro hatte das Pferdchen darauf zu der Lichtung gebracht, ganz nahe beim Dorf, wo die kleineren Kinder am Tage immer spielen durften, und es dort an Miyrtas Lieblingsbaum vergraben, in der Hoffnung, dass die Geister der Erde es zu ihr bringen würden.

Für ihn würde keiner etwas Derartiges tun. Er hatte nicht so viele Freunde. Keiner gab sich gern mit dem dünnsten, schwächlichsten Kind des Stammes ab; mit jemandem, der seit seiner Geburt jede Krankheit bekam, die das Dorf geißelte. Acht Jahre war er jetzt alt und in jedem dieser Jahre hatte es mindestens zweimal ein Shurto seinetwegen gegeben, eine Versammlung, in der die Ältesten die Geister der Natur anriefen, um ihren Rat zu erhalten, Heilung zu erbitten. Jedes Mal waren die Geister gnädig gewesen und einige hatten schon von einem Wunder gesprochen, weil sie Jaro derart oft eine Chance gaben, sein armseliges Leben weiterzuführen. Doch dieses Mal waren sie nicht auf seiner Seite gewesen.

Niemand hatte Jaro etwas gesagt. Er hatte mit seinem Fieber ringend auf seinem Schlaflager gelegen, als sein Vater von dem Gespräch mit den Domicias zurückgekehrt war. Die Abwesenheit der streichelnden Hand seiner Mutter hatte ihn aus seinem vernebelten Zustand gerissen, ihn ihr leise Weinen und die strengen Mahnungen des Vaters wahrnehmen lassen. Sie hatte ihn nicht noch einmal in den Arm nehmen dürfen. Sein Vater hatte das getan, weitaus weniger sanft und einfühlsam, hatte ihn aus dem Zelt und schließlich auch hinaus aus dem Dorf getragen.

Jaro wusste nicht genau, wie lange er mit ihm gelaufen war, als sie anhielten, weil er trotz seiner Angst und Trauer eingeschlafen war. Sein Körper war zu geschwächt, um in einen erregten Zustand zu geraten, sehnte sich ständig nach Ruhe … Schlaf.

„Jaro!“, sagte sein Vater in diesem strengen Ton, der ihm verriet, dass er kein Gejammer, keinen Widerspruch, keine Gegenwehr duldete. Er wiederholte seinen Namen ein paar Mal, aber erst als seine großen rauen Hände an Jaros Fingern zerrten, nahm er wahr, dass diese sich in sein Hemd gekrallt hatten, nicht loslassen wollten, obwohl er ihnen den Befehl dazu gab.

Doch Kertja, der Fischer war stark und geschickt. Er ging in die Knie und setzte Jaros Füße auf den Boden, löste die Hände seines Sohnes aus seinen Kleidern, obwohl er leise wimmerte, und erhob sich dann.

Jaro griff nicht wieder nach ihm, auch wenn seine Beine in greifbarer Nähe waren. Sein Verstand sagte ihm, dass er sich den Gesetzen ihrer Stammes zu fügen hatte, seine Brüder und Schwestern nicht durch seine Krankheit gefährden durfte. Die Geister des Waldes würde ihn aufnehmen. Vielleicht würde er erfrieren, bevor die Dämonen der Nacht kamen, um ihn zu holen. Oder er konnte selbst in den Fluss springen, dessen Rauschen bereits an seine Ohren drang.

Sein Vater hatte damit begonnen, das Stammesgebet aufzusagen, und Jaro gab dem Flehen seiner schwachen Beine nach, ließ sich im kühlen, feuchten Gras nieder und stimmte schließlich in das Gebet mit ein. Er summte es immer noch vor sich hin, als Kertja längst gegangen war; hielt sich an den uralten Worten fest, während die Kälte durch das dünne Hemd, das er trug, in seine Knochen drang, seinen ausgemergelten Körper erzittern ließ. Erst nach einer ganzen Weile erstarb seine Stimme und er sah wieder auf.

Sein Vater war ein großes Risiko eingegangen, indem er ihn so weit vom Dorf weggebracht hatte, denn die Dunkelheit kroch bereits durch die Äste der Büsche und Bäume um ihn herum. Er hatte ihn nahe an die Grenze der Dämonenwelt gebracht, obwohl das eigentlich verboten war. Warum wusste Jaro nicht, denn den Monandor den Körper eines Diatar zu überlassen, wurde zuhause mit dem Tode bestraft.

Jaros Angst wuchs nun doch, weil aus dem dunklen Wald die gruseligsten Geräusche kamen. Das Klappern seiner Zähne machte es schwer, herauszuhören, ob sich nur ein Tier durch das Dickicht bewegte oder etwas anderes, gefährlicheres und da Jaro im Dunkeln auch kaum etwas erkennen konnte, kniff er schließlich die Augen fest zusammen und presste sich die Hände auf die Ohren. Ein Husten kitzelte in seiner Brust und schon nach ein paar Sekunden konnte er es nicht mehr zurückhalten. Der Krampf schüttelte seinen ganzen Körper, seine Lunge brannte und rasselt und ihm wurde so schwindelig, dass er zur Seite kippte und erschöpft liegenblieb. Wenn die Dämonen in der Nähe waren, hatten sie ihn mit Sicherheit gehört und würden sich jeden Moment auf ihn stürzen. Es machte keinen Sinn sich zu wehren oder wegzulaufen. Sie waren viel zu stark und schnell und würden ihn mit ihren Nachtaugen in jedem Versteckt ausfindig machen.

Die Geräusche wurden deutlicher. Etwas oder jemand bewegte sich eindeutig durch den Wald. Jaro schluckte schwer und sein Herz donnerte gegen seine Rippen, ließ seinen Atem schneller werden und den Hustenreiz zurückkehren. Sein Verstand befahl ihm die Augen zu schließen, weil es besser war, das Monster, das ihn töten wollte, nicht auch noch vorher zu sehen. Aber er konnte es nicht, hielt sie stattdessen weit geöffnet, bis ein weiterer Hustenkrampf seinen Körper schüttelte.

Die Welt drehte sich für ein paar Minuten und Jaro verzog das Gesicht, presste die Lider zusammen, weil der brennende Schmerz in seiner Brust zu groß wurde. Erst als er wieder abebbte, konnte er die Augen öffnen und … erstarrte. Da waren Füße vor ihm. Kleine. Nicht größer als die seinen. Nackt. Sie mündeten in ein Paar dünner, blasser Beine und … Jaro schluckte schwer, als er den Blick weiter hinaufwandern ließ, in das Gesicht des Dämons. Doch das, was er sah, ließ ihn nicht schreien oder in Angststarre verfallen. Ganz im Gegenteil, seine Furcht wurde geringer, musste dem faszinierten Erstaunen weichen, das sich in ihm ausbreitete.

Vor ihm stand ein Mädchen, kein Monster. Ein Kind nicht viel jünger oder älter als er, gekleidet in abgewetzte Stoffe und Leder, ähnlich wie die Kleider, die sein eigenes Volk trug. Dennoch sah sie vollkommen anders aus als die Menschen seines Stammes. Ihr Haar glänzte im Mondlicht wie der silberne Schmuck der Domicias, ihre Haut war hell wie die kostbare Milch der Gita-Schafe, die es nur zu besonderen Festtagen gab. Und ihre Augen … ihre Augen strahlten in einem leuchtend hellen Blau, strahlender als jeder Kristall, den er jemals gesehen hatte.

Sie sagte etwas zu ihm, etwas in einer anderen Sprache, und auch ihre Stimme hatte nichts Furchterregendes an sich, obwohl er sich sicher war, eine Monandor vor sich zu haben. Sie war warm und hell … freundlich und ein wenig sorgenvoll. Genauso wie der Ausdruck in ihren faszinierenden Augen, als sie vor ihm in die Hocke ging und ihn genauer musterte.

Jaro stützte sich auf seinen Händen ab und setzte sich vorsichtig auf, ließ dabei das Mädchen nicht aus den Augen. Nicht aus Angst, sondern weil er nicht anders konnte. Da war dieser innere Zwang in ihm, ein starkes Drängen, eine ungesunde Neugierde. Er atmete nur ganz flach und stockend, als er seine Hand nach diesem seltsamen Wesen ausstreckte. Monandor durfte man nicht berühren. Niemals. Sie verhexten einen und das bedeutete den sicheren Tod. Doch er konnte nicht anders. Der Drang war zu groß, denn sie war zu schön, um tatsächlich zu existieren. Er musste sicher sein, dass sie keine Halluzination war.

Seine Finger trafen auf ihre Haut und für einen kleinen Moment setzten sein Atem und Herzschlag aus. Seidig weich und … warm! Kein kaltes Dämonenblut, keine Stacheln, keine spitzen Zähne, die nach ihm schnappten, keine Krallen, die ihm Haut und Fleisch von den Knochen rissen.

Sie gab ein Glucksen von sich, das wie ein Lachen klang, übermütig und wunderschön. Etwas, das er bisher nur selten in seinem Leben vernommen hatte und ganz tief in ihn drang, in seine Brust, sein Herz. Seine Mundwinkel bewegten sich, ohne sein Zutun. Etwas Befremdliches geschah in seinem Inneren, ließ ihn ein ganz ähnliches Geräusch ausstoßen wie sie zuvor.

„Risa“, sagte sie schließlich und wies auf ihre Brust.

Jaros Lippen bewegten sich ein paar Mal erfolglos, bis er endlich ein leises ‚Jaro‘ hervorbrachte.

„Jaro?“, wiederholte sie erstaunt und er nickte.

„Jaro“, sagte sie und wies lächelnd auf den Mond.

Er runzelte die Stirn. Sein Name bedeutete in der Tat Mond, aber so wie sie ihn aussprach, mit diesem leicht rollenden ‚R‘ hatte er ihn noch nie vernommen. Zudem erstaunte es ihn, dass die Monandor dasselbe Wort für den Mond verwendeten wie sein Volk.

„Risa“, wiederholte das Mädchen auch seinen Namen und wies auf eine kleine weiße Blüte ganz in der Nähe. „Risalora. Risa.“

Jaros Erstaunen wuchs. Rischalorel nannten seine Stammesmitglieder Blüten dieser Art. Er wollte ihr das sagen, doch leider packte ihn gerade in diesem Moment ein weiterer Hustenanfall, der ihn schmerzerfüllt das Gesicht verziehen ließ.

Die Augen des Mädchens bekam einen mitleidigen Ausdruck und erneut kamen Worte aus seinem Mund, die nicht so fremd klangen, wie er erst gedacht hatte. Diese Sprache … sie war der seinigen gar nicht unähnlich und wenn er sich nicht irrte, hatte das Dämonenkind ihn gerade gefragt, ob er fror. Er blinzelte verwirrt und nickte zaghaft, als es seine Frage noch einmal wiederholte. Risa sprach weiter. Er verstand Worte wie ‚zurück‘ und ‚nach Hause‘ und schüttelte dieses Mal den Kopf.

„Ich kann nicht“, sagte er und schämte sich nicht für das Brechen seiner Stimme und die Tränen, die sofort in seine Augen stiegen. Der Blick des Mädchens wurde noch mitleidiger und nur wenig später fand er sich in seinen Armen wieder. Sein Körper versteifte sich ganz automatisch und er riss entsetzt die Augen auf, doch ihm fehlte die Kraft sich gegen Risas erstaunlich kräftigen Griff zu wehren. Umarmungen kannte er nur von seiner Mutter. Niemals war jemand anderer ihm bisher so nahe gekommen und es fühlte sich befremdlich an, aber auch in gewisser Weise … schön. Tröstend. So war es für ihn schon beinahe schmerzhaft, als das Mädchen ihn wieder losließ und aufstand. Er wollte nicht, dass sie ihn verließ, ihn dem sicheren Tod überließ wie sein Vater es getan hatte.

Doch Risa schien das gar nicht vorzuhaben. Ihre blasse Hand streckte sich in seine Richtung aus, schwebte vor ihm in der Luft, bis er zugriff und sich von ihr auf die Beine helfen ließ. Sie waren zwar weich und zitterten wie der Rest seines geschwächten Körpers, doch sie trugen ihn, bewegten sich, als Risa zusammen mit ihm loslief. Wohin sie ihn führte, wusste er nicht. Er war noch nie in diesem Teil des Waldes gewesen, so nah am Reich der Dämonen. Kinder seines Stammes durften sich nie weit vom Dorf entfernen, zu groß war die Gefahr, dass ihnen etwas zustieß, oder die Monandor sie verschleppten. In seinem Fall spielte das jedoch keine Rolle mehr. Sein Stamm hatte ihn aufgegeben und der Tod war ihm gewiss. Da machte es keinen Sinn, darüber nachzugrübeln, was das Dämonenmädchen vorhatte oder wohin sie ihn brachte. Viel Zeit in der Welt der Lebenden blieb ihm ohnehin nicht mehr und es war besser jemanden in den letzten Stunden an der Seite zu haben als allein zu sterben. Risa nahm ihm seine Angst und dafür war er ihr unendlich dankbar.

Nach einer kleinen Weile vernahm er ein dumpfes Rauschen in seiner Nähe, wie … Wassermassen, die irgendwo hinabstürzten. Sein Vater hatte ihm mal von den Kitsar-Fällen erzählt, die am Rande des Dämonenlandes lagen. Er hatte sie nie gesehen, aber man erzählte sich in seinem Dorf furchtbare Geschichten über diesen Ort. Er wurde nachts von Monstern und Gespenstern heimgesucht, schlimmeren Wesen als den Monandor. Risa schienen diese Geschichten jedoch nicht bekannt zu sein, denn sie hielt weiter auf das Rauschen zu, lachte ihn sogar aufmunternd an, als sie sein Zögern bemerkte und zog ihn weiter mit sich mit.

Der Wald lichtete sich bereits und das Tosen des Wasserfalls war so laut geworden, dass es jedwedes andere Geräusch der Nacht übertönte, als Risa endlich anhielt und Jaro losließ. Sie ging vor einem Busch mit runden gelben Früchten in die Knie und begann diese in Eile zu pflücken. Jaro, dessen Beine mittlerweile nahezu um Ruhe flehten, plumpste neben ihr auf den Boden. Er hatte eigentlich sitzen bleiben wollen, doch sein Körper forderte mehr als das, ließ ihn zur Seite sinken und nach einem schmerzhaften Husten erschöpft die Augen schließen. Doch ihm war keine lange Ruhezeit vergönnt. Risa sagte etwas zu ihm und er schüttelte den Kopf, ohne die Augen zu öffnen, obwohl er kein Wort verstanden hatte. Er hörte, wie sie dichter an ihn heranrutschte und dann fühlte er, wie sie ihn auf den Rücken drehte. Nur wenig später wurde sein Hemd bis zu seinem Kinn hochgezogen und die kalte Waldluft traf auf seine nackte Haut, jagte einen unangenehmen Schauer durch seinen Körper. Seine Lider flogen auf und er starrte verblüfft in Risas Gesicht. Ein konzentrierter Ausdruck lag in ihren Augen, während sie die Früchte des Buschs zwischen ihren Händen zerquetschte und die Masse dann auf seine Brust tropfen ließ.

Jaro zuckte zusammen, doch das war alles an Regung, das er zustande brachte – selbst als Risa begann seine Brust mit der Fruchtmasse einzureiben und sich dabei eine erstaunliche Wärme und ein leichtes Brennen entwickelte. Er lag einfach nur da, mit weit aufgerissenen Augen und stockendem Atem und ließ alles über sich ergehen, ohne einen Ton von sich zu geben.

Risa hielt auf einmal inne und runzelte die Stirn. Ihre Augen ruhten auf einem bestimmten Punkt seiner Brust und als sie einen Finger dorthin brachte, wusste er schließlich, was sie entdeckt hatte: Die Tätowierung der Domicias. Seine Haut kribbelte, als Risas Finger den feinen Linien auf seiner Haut folgte. Dem Erstaunen in ihrem Gesicht war ein Ausdruck größter Verzückung und leichter Aufregung gefolgt. Sie griff in ihr Haar und warf es zu einer Seite auf ihren Rücken, um ihren Hals zu entblößen, und drehte dann ihren Kopf, sodass Jaro sehen konnte, was sich nur wenige Zentimeter unterhalb ihres Ohres befand: die Tätowierung einer Art Auge, dessen Iris zu einer Hälfte Sonne und zur anderen Mond war.

Jaros Herz machte einen kleinen Sprung und er setzte sich auf, berührte zaghaft ihre Tätowierung, so wie sie es zuvor bei ihm getan hatte. Das ganze war ihm unbegreiflich. Wie konnte eine Monandor dasselbe Zeichen wie er tragen? Beschützten die alten Geister auch Dämonenkinder? Denn das war es, was sein Vater ihm erzählt hatte, dass dies ein Zeichen der Gnade der alten Geister war.

Risa schien sich über die Entdeckung furchtbar zu freuen, denn sie lachte ihn an, beugte sich vor und drückte ihre Lippen auf seine Wange. Es war nur für den Hauch eines Augenblicks und dennoch hüpfte sein Herz ein wenig und in seinem Inneren wurde es ganz warm. Seine Lippen hoben sich und ganz tief in ihm regte sich das Bedürfnis, erneut ihre Arme um sich herum zu fühlen, ihr nahezukommen und zu vergessen, welch schlimme Dinge ihm noch bevorstanden.

Dieses Mal zog Risa ihn jedoch nicht in eine Umarmung. Sie ergriff stattdessen seine Hand und drückte sie auf ihr Herz, während ihre Finger sich auf das seine legten, über dem Hemd, das mit seinem Aufsetzen wieder hinuntergerutscht war.

„Wir kommen von demselben Ort“, sagte sie leise und dieses Mal verstand er jedes ihrer Worte, auch wenn sie immer noch fremd klangen.

Jaro nickte. Er wusste, dass sie recht hatte und es machte ihm Angst, ließ sein Herz schneller schlagen und die Wärme in seiner Brust abebben. Der Husten kam zurück, ließ sie beide nicht lange in ihrer seltsamen Pose verweilen. Risa rupfte schnell weitere Früchte von dem Busch neben ihnen und reichte sie Jaro, als er wieder zu Atem kam.

„Essen“, wies sie ihn an und begleitete das Wort mit einer entsprechenden Geste. „Das wird dir helfen. Es macht dich gesund.“

Jaro zögerte nicht lange und steckte sich die Früchte in den Mund. Sie waren bitter und hatten eine schleimige Konsistenz, doch bereits nach den ersten Bissen entfalteten sie auch in seinem Mund eine angenehme Wärme, die bis in seinen Rachen ausstrahlte. Das Zittern seines Körpers wurde geringer und er fühlte die Kälte der Nacht kaum noch. Er wollte sich bei Risa bedanken, doch das Mädchen wandte ihren Kopf plötzlich zur Seite und schien angespannt zu lauschen. Es dauerte einen Moment, bis Jaro ihr Verhalten verstand. Aus der Ferne waren plötzlich wieder Geräusche zu vernehmen: das Rascheln von Laub und Knacken von kleinen Ästen.

Das Dämonenkind war mit dem nächsten Atemzug auf den Beinen, packte Jaros Hände und zog ihn ebenfalls auf die Füße. Ihre nächsten Worte verstand er in all der Aufregung nicht mehr, doch das brauchte er auch nicht, denn sie zog ihn einfach wieder hinter sich her.

Jaro wollte protestieren, ihr sagen, dass es keinen Sinn machte, ihn zu retten, doch die Angst in den Augen des Mädchens ließ ihn willenlos hinter ihr her stolpern. Lange konnte er mit ihrem Tempo allerdings nicht mithalten. Sein Körper war trotz ihrer Behandlung mit den Früchten von der Krankheit zu geschwächt. Seine Lunge rasselte schon bald und seine Beine kamen den Befehlen seines Verstandes nicht mehr richtig nach. Er sank in die Knie und gab sich einem neuerlichen Hustenkrampf hin, der ihn schwindeln ließ.

„Komm! Komm!“, drängte eine Stimme neben ihm und Risa legte sich einen seiner Arme um ihre Schulter, packte ihn bei der Taille und brachte ihn damit wieder auf die Beine.

Sie waren nun langsamer als zuvor, aber Risa war stark, trug ihn halbwegs durch das felsige Gelände und drängte ihn immer wieder nicht aufzugeben, weiterzulaufen. Jaro wusste nicht, wieso er es tat, aber er folgte ihren Anweisungen, begann um das Leben zu ringen, das er bereits aufgegeben hatte, auch wenn er gar nicht wusste, wer sie verfolgte und ob er das Monandormädchen nicht in Gefahr brachte. Irgendwann erreichten sie eine Felswand und Jaro musste mit Staunen feststellen, dass sich zwischen ein paar Gebüschen und Efeuranken der Eingang zu einer versteckten Höhle befand.

Risa musste schon öfter hier gewesen sein, denn, nachdem sie Jaro geholfen hatte, sich auf einem mit Fellen ausgestatteten Lager niederzulassen, löste sie einen etwa zwei Hand großen Stein aus der Felswand, durch den sanftes Mondlicht in das Innere der Höhle fiel. Jaro sah sie erstaunt um. Es war eindeutig, dass sich jemand hier häuslich eingerichtet hatte. Es gab einen Schlafplatz, eine Feuerstelle und selbstgeschnitztes Kochgeschirr – sogar einen kleinen Hocker auf dem eine Decke lag.

Risa hob diese auf und legte sie Jaro um die Schultern. Sie war warm und weich und sie roch wundervoll nach Lavendel. Er atmete beglückt auf und sah das Mädchen vor sich dankbar an – bis es die Decke wieder öffnete und mit in sie hinein kroch, sich an ihn kuschelte und ihn festhielt. Jaro war erst erstarrt, begann sich aber schnell wieder zu entspannen, weil es nun erst richtig warm unter der Decke wurde. Dämonen waren nicht kalt und hart. Ganz im Gegenteil. Sie fühlten sich ausgesprochen gut an. Zumindest diese Dämonin und er war nicht willens, die Geborgenheit und Hilfe, die sie ihm zukommen ließ, aufzugeben, nur weil es ihn vielleicht irgendwann das Leben kosten konnte, ihr zu vertrauen. Ein Leben, das sein Stamm ohnehin weggeworfen hatte.

„Hier bist du sicher“, murmelte Risa an seiner Schulter und ihr Haar kitzelte seinen Hals. „Das ist mein Geheimversteck. Niemand wird uns hier finden.“

Er wollte sie fragen, wie sie die Höhle gefunden hatte, ob sie oft hier war, warum sie ihm half, aber leider kam nur ein kurzes Husten aus seiner Kehle.

Risa sah ihn an und lächelte. „Ich mach dich wieder gesund“, versprach sie ihm und seltsamerweise glaubte er ihr.

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14. October 2016 - 16:18

99 Cent Aktion für Callboy to Go!

Cina Bards und meinen Liebesroman ‘Callboy to Go’ gibt es ab heute bis wahrscheinlich Sonntag für nur 99 Cent bei Amazon! Nutzt die Schnäppchenaktion und greift zu, solange der Vorrat reicht. ;)

 

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14. October 2016 - 11:30

Callboy to Go

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Leseprobe

Rezensionen

English title: Callboy to Go

Ebook: 2,99 € (Kindle-Format)

Softcover: 10,99 € Amazon; normales Taschenbuchformat 10,99 bei epubli oder über den Buchhandel bestellen ISBN:

Hardcover: nur über die Autorin bestellbar

Genre: Romantische Komödie; Romantic Comedy

 

Inhalt:

30 Jahre und Jungfrau? Wie traurig ist das denn? Mia versucht alles, um diesem Schicksal zu entgehen, und engagiert während ihres Traumurlaubs auf Teneriffa einen Callboy. Einen Tag vor ihrem Geburtstag. Als letzte Lösung selbstverständlich. (Un)glücklicherweise ist ihr attraktives ‚Date‘ Chris nicht der, für den er sich zunächst ausgibt, und Mia hat bald mit ganz anderen Problemen als dem Verlust ihrer Unschuld zu kämpfen. Verfolgungsjagden, lebensbedrohliche Situationen und unerwartete Gefühle eingeschlossen.

 

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14. October 2016 - 11:14

Leseprobe von Callboy to Go

Angsttherapie

 

 

 

Was? Wir nehmen nicht wieder diesen total gemütlichen Linienbus?“ Mias Gesicht verzog sich in gespielter Enttäuschung, als Chris vorschlug, einen Wagen zu mieten.

Wieso sie das nicht schon früher getan hatten, war unklar, doch sie hatte keine Lust, das in Erfahrung zu bringen. Sie hatte fürs Spaßhaben bezahlt, verdammtnochmal, nicht dafür, sich ständig um alles Gedanken machen zu müssen. Und die Fahrt zu einem ‚ganz entzückenden romantischen Örtchen‘ per Auto fortzusetzen, klang in jedem Fall bequemer als die vorherige Variante.

Mittlerweile war es kurz nach sieben und einige der Geschäfte schienen bereits frühzeitig zu schließen. In der ersten und vermutlich einzigen Autovermietung dieses Dorfes (gut, demografisch gesehen war es eine Mittelstadt, aber Großstädterinnen wie sie waren darin oft überheblich) war man gerade dabei, das Werbeschild in den Laden zu hieven. Chris bot freundlich lächelnd seine Hilfe an und das schien den Angestellten gnädig genug zu stimmen, seinen Feierabend noch ein bisschen hinauszuzögern. Ihr Begleiter wechselte ein paar Worte mit ihm und signalisierte ihr dann, dass sie trotz des Mangels an sichtbaren Autos Glück hatten.

Zweifellos ging er davon aus, dass nur er der Landessprache mächtig war. Konnte ja nicht jeder so angeben. Mia nickte ihm dennoch lächelnd zu. Sie lächelte auch, als sie den Laden Richtung Hinterhof verließen. Und immer noch, als sie auf das einzige … Gefährt dort zusteuerten. Irgendwo dahinter gab es bestimmt noch einen Durchgang zu einer großen Garage, denn das, was dort vor ihnen stand, konnte nicht das sein, was Chris gerade gemietet hatte.

Drei erfolglose Versuche, die Seitentür zu öffnen, später, wandte sich Chris ihr zu und sah sie prüfend an.

„Mia? Hast du … einen Krampf oder so?“

Ihr mittlerweile eingemeißeltes Lächeln musste idiotisch bis gruselig wirken, doch sie konnte es nicht abstellen. „Das ist nicht dein Ernst, oder?“

Sie wiederholte diese Frage noch ein paar Mal: als sie durch die Fahrertür auf den Beifahrersitz kletterte, der Motor erst beim zweiten Versuch ansprang und der Keilriemen Laute von sich gab, die das dreigestrichene C bei Weitem übertrafen. Sie bestand darauf, sich nach einer anderen Vermietung umzusehen, doch Chris gab zu bedenken, dass es dort ähnlich schwierig werden würde, um diese Uhrzeit noch einen Wagen zu bekommen, und sie somit noch mehr Zeit verlieren würden. Also ließ sich Mia schließlich breitschlagen. Hauptsächlich aufgrund dieses unwiderstehlichen Lächelns, der durchdringenden grünen … oder blauen Augen – was für eine Farbe war das verflucht noch mal?! – und der Erinnerung an den sanften Druck seiner Lippen auf den ihren. Es war einfach nur erbärmlich.

 

Sie ließen La Orotava trotz der eingeschränkten PS-Zahl ihrer Blechschüssel relativ schnell hinter sich und befanden sich bald schon auf den Serpentinen, die hinauf ins Gebirge führten. Leider. Denn wenn Mia eines nicht ausstehen konnte, dann war das Höhe. Chris sah sie während der Fahrt immer wieder von der Seite an, als beschäftigte ihn etwas, das mit ihr zu tun hatte. Doch er brachte kein Wort heraus. Also erwiderte sie seinen Blick mit einem verkrampften Lächeln.

„Langsam musst du aber auch Muskelkater in den Mundwinkeln haben, oder?“ Er lachte. „Versteh mich nicht falsch, du siehst total süß aus, aber –“

„Süß? Toll“, erwiderte sie abgehackt und klammerte sich gleich darauf noch fester an den Haltegriff an der Oberseite der Tür, wohl etwas zu doll, denn kurz darauf hatte sie ihn der Hand. Das durfte doch alles nicht wahr sein!

„So schlimm?“, fragte er und legte ihr mitfühlend eine Hand auf das Knie. Es war wohl auch für ihn nicht zu übersehen, was ihr solche Angst machte.

Mia griff kurz nach seiner Hand und drückte sie, weil es ja nun keinen Haltegriff mehr zum Festhalten gab, dann ließ sie sie schnell wieder los.

„Entschuldigung, ich bin ganz schwitzig …“

Super, das wurde ja immer romantischer. Vermutlich kamen sie kurz vor dem Ziel von der Straße ab und stürzten den Abhang hinab. Ungeöffnet zurück quasi; es war ein Jammer.

Mia atmete bei jeder Kurve auf, nach der der Abhang nicht mehr an ihrer Seite war. Es war unwichtig, wie unlogisch das war, es beruhigte sie wenigstens kurzzeitig und bewahrte sie davor, komplett durchzudrehen. In einem Bus oder großen Taxi hier entlangzufahren war eine Sache, aber nicht in dieser Klapperkiste, die jeden Moment auseinanderzufallen drohte.

Als sie Rambla de Castro passierten, schlug ihr Begleiter doch ernsthaft vor, kurz anzuhalten, damit sie Luft schnappen und den Ausblick genießen konnte, was sie mit einem entsetzt quiekenden „Nein!!“ ablehnte, weil sie zu große Angst hatte, dass der Wagen danach nicht wieder anspringen würde. Auf einer Aussichtsplattform im Gebirge zu stranden war für sie die Mutter aller Albträume.

Chris’ Versuche, ein Gespräch in Gang zu bringen, liefen zunächst ins Leere, doch er gab nicht auf, machte immer wieder einen Anfang, um sie abzulenken. Wirklich süß.

„Okay, ich muss jetzt fragen“, begann er nach ein paar Minuten des erneuten Schweigens. „Wie kommt’s?“

Mia schloss gerade in einer weiteren Kurve die Augen.

„Was genau?“, murmelte sie. „Meine offensichtliche Höhenangst?“

Sie öffnete ein Auge und atmete dann nach der nächsten Biegung wieder erleichtert auf. Die Gegend wurde zunehmend gebirgiger und die Felswände zu einer Seite damit auch steiler, was ihr ein gewisses Gefühl von Sicherheit verschaffte – solange sie nur dorthin sah.

„Keine Ahnung.“

Er lachte leise und bemühte sich dann, einen anderen Gang einzustellen, was mit allerlei bedrohlichen Geräuschen einherging. Verdammt, sie hatte noch immer kein Testament gemacht!

„Fast dreißig und noch Jungfrau“, drang Chris’ Stimme wieder in ihre erquickenden Urlaubsgedanken an Ausweglosigkeit und Tod. Okay, die Art von Neugierde war weniger süß.

„Das … beschäftigt dich … was?“ Mia zwang sich, ihn anzusehen. „Schon seit du den Auftrag angenommen hast?“

„Na ja, klar“, fuhr er fort, doch sie unterbrach ihn.

„Weil es nicht normal ist?“

Er schluckte ertappt und schenkte ihr dann ein entschuldigendes Schuljungenlächeln, das seine Wirkung nicht verfehlte. Mia war diese Fragen eigentlich leid, speziell weil sie sich diese selber immer stellte.

„Okay, das war blöd, entschuldige bitte“, versuchte er seinen Ausrutscher wiedergutzumachen. „Es ist ja auch in Ordnung, wenn man ein wenig prüde ist –“

Sie sah ihn entgeistert an, auch wenn sie das nicht zum ersten Mal hörte. „Wieso glaubt jeder, ich sei prüde, nur weil ich noch keinen Sex mit einem Mann hatte?!“

„Du hattest was mit Frauen?“, fragte Chris sofort interessiert und sie warf genervt den Kopf in den Nacken.

„Sorry, ich versau es grad“, sagte er und wieder lag seine Hand auf ihrem Knie, verfehlte aber diesmal seine Wirkung, weil Mia sauer war.

„Hände ans Lenkrad oder willst du uns umbringen?!?!“

Gut. Sauer und paranoid – wenn auch berechtigterweise.

„Toll, wenn ein junger Mann für sein erstes Mal zu ‘ner Nutte geht, dann ist er woow, waas für ein Held!“, regte Mia sich auf. „Aber eine Frau? Neiiiiin! Weil wir ja alle so keusch sind und derartige Bedürfnisse nicht haben. Wenn ein Kerl also für Sex zahlt, dann nimmt man nicht sofort an, dass er verzweifelt ist, bei einer Frau schon. Wir kriegen dann keinen ab und es ist sowieso unsere Schuld. Wir sind peinlich – und prüde!“

„Ach, komm schon!“, rief Chris. „Als würdet ihr nicht automatisch annehmen, dass es sich um einen alten, hässlichen oder nur hässlichen Sack handelt, der die Schnauze davon voll hat, sich vor Pornos zuhause einen zu wichsen – entschuldige – runterzuholen. Ihr Weiber seid genauso sexistisch und voreingenommen wie wir!“

Was?“, fügte er hinzu, als er ihre hochgezogene rechte Augenbraue bemerkte.

Weiber?“, wiederholte sie brüskiert.

Kerle?“, gab er ebenso brüskiert zurück.

„Kerle ist ja wohl nicht so abfällig wie Weiber.“

„Du bist ganz schön kompliziert.“

„Ich bin nicht kompliziert. Ich bin nur nicht so bequem und stets darauf bedacht, Typen zu gefallen, wie die kleinen Mäuschen, die du sonst so vögelst.“

„Du hast doch keine Ahnung, wen ich sonst so vögle.“

„Ich meinte privat – nicht jobmäßig.“

„Ja, ich auch! Und ich stehe ganz bestimmt nicht auf angepasste Mäuschen.“ Er grinste provokant. „Eine Jungfrau hatte ich allerdings noch nicht. Weder privat noch jobmäßig.“

Mia stieß einen entrüsteten Laut aus. „Du sagst das, als wäre ich eine Abnormität, die du auf einer Liste abhaken kannst.“

„Meine Güte, chill doch mal! Du bist dermaßen verbohrt –“

„Na klar“, gab sie mit einem süffisanten Grinsen zurück. „Was kommt als Nächstes: verklemmt? Zickig? Denn das bin ich doch oder für Leute wie dich sind das Frauen im Allgemeinen. Frauen sind zickig, Männer haben Gründe für ihre Wut. Männer haben Temperament, Frauen werden hysterisch. Mannmann, die Welt als männliches Wesen muss so einfach sein!“

„Äh – hallo?! Ich bin … verkaufe meinen Körper – glaub mir mal, meine Welt ist bestimmt nicht einfacher als deine.“

Mia öffnete den Mund, schloss ihn jedoch gleich wieder. Was sollte man dazu auch sagen? Sie hatte keine Ahnung, wie man sich mit einem solchen Job fühlte, aber immerhin war er ja kein Straßenstricher, sondern arbeitete für eine seriöse Agentur (obwohl sie davon auch nicht mehr ganz so überzeugt war) – was selbstverständlich nicht hieß, dass sein Leben ein Zuckerschlecken war. Natürlich war es dumm, sich einzureden, dass das  Anbieten käuflicher Liebe für Männer ‚nicht so schlimm sei‘; speziell Analsex, ohne ihn wirklich zu wollen, musste alles andere als angenehm sein.

Ach, verdammt! Warum konnte sie nicht einmal wütend werden, ohne sich in die Nesseln zu setzen? Insbesondere da es ja eigentlich er gewesen war, der erneut aus der Rolle gefallen war und sich benommen hatte wie eine Zufallsbekanntschaft und nicht wie der Gigolo, der er sein sollte. Dennoch war jetzt wieder sie die Unsensible und erneutes Schweigen die Folge ihrer unbedachten Äußerung. Toll! Nur noch ein paar Mal und der Rekord für das Gespräch mit den meisten Pausen ging an sie beide.

Chris fuhr den klapprigen Wagen weiter um die steilen Kurven und Mia entwischte ab und an ein leises Wimmern, wenn der Abhang ihrer Meinung nach zu nah kam. Was alles unter fünf Metern Abstand entsprach. Viel Platz für Wut blieb da in ihrer Gefühlswelt nicht. Auch wenn die noch angebracht war. Ihr eigener Kommentar hin oder her – seine Äußerungen waren absolut daneben gewesen.

„Ah, ich weiß es!“, rief ihr Fahrer schließlich und zu ihrem eigenen Ärger zuckte sie kurz zusammen.

„Du bist in dieser Silver-Ring-Dings und hast geschworen, es erst zu tun, wenn du verheiratet …“, gleichzeitig mit Mias ungläubig immer höher wandernden Augenbrauen kam auch er zu dem Schluss, dass sie ihn dann nicht engagiert hätte, „… aber dann hast du dich umentschieden, weil du keine Lust mehr hattest zu warten.“

Er grinste sie an und Mia legte ihre Hand auf seine Wange und drehte sein Gesicht wieder Richtung Fahrbahn. Warum konnte er es nicht sein lassen und sich darauf konzentrieren, sie unversehrt zum Ziel zu bringen?

„Willst nicht als Jungfrau sterben, oder?“, wagte er hinzuzufügen und lachte dann auf. „Mia, ich veräppele dich doch nur!“

„Ja klar, Mia, die Jungfrau, der große Witz über den alle das Recht haben herzuziehen, nur weil sie es noch nicht getan hat!“

Er schnaufte verblüfft, hielt seine Augen aber diesmal auf die Straße gerichtet, weil dort ein paar Steine im Weg lagen. Einer von ihnen wurde vom rechten Vorderreifen zur Seite gesprengt und flog in hohem Bogen in den Abgrund.

Mia drückte sich in den Sitz und schickte Stoßgebete zum Himmel, dass sie bald da waren. Laut des nächsten Straßenschildes waren es noch etwa fünfunddreißig Kilometer.

„So meinte ich das nicht“, stellte Chris nach ein paar Augenblicken klar, doch Mia winkte ab.

„Ich projiziere lediglich meine Angst vor den Serpentinen auf den Ärger über deine Vorurteile. Abgesehen davon ist es nichts, was ich nicht schon jahrelang gehört hätte.“

Chris biss sich auf die Unterlippe – wobei er nicht sexy aussah!! – und schien zu überlegen, wie er die Fragen stellen konnte, die ihn so offensichtlich beschäftigten.

Eigentlich war es doch gar nicht weiter kompliziert und seine Neugierde verständlich und Mia ärgerte sich über sich selbst, weil sie automatisch wieder in eine Abwehrhaltung verfiel. Abgesehen von Chris’ mangelhaften Konversationsfähigkeiten auf diesem Gebiet sollte sie doch mittlerweile über beleidigten Gefühlen diesbezüglich stehen. Die meisten Menschen reagierten so, speziell Männer – auch wenn sie die Zahl ersterer im Allgemeinen und letzterer im Speziellen so gering wie möglich hielt.

Selbstredend war auch ihr lange Zeit die Frage durch den Kopf gegangen, ob mit ihr etwas ‚nicht stimme‘, doch dann hatte sie dieses ‚Muss‘, endlich seine Unschuld zu verlieren, als das sehen können, was es war: gesellschaftliche Zwänge. Auch da stand sie unter Garantie drüber und  eines war ganz klar: Das alles hier tat sie nur für sich, aber vielleicht war der ganze Plan mit ‚vor dem Dreißigsten‘ auch blöd gewesen, wie Judy schon von Anfang an behauptet hatte. Das waren doch nur Zahlen und wenn sie sich so an denen festhielt, dann war sie auch nicht besser als der Rest.

Sie holte tief Luft. „Hör zu, es ist so, wie es ist und wenn das ein Problem für dich darstellt, dann können wir das Ganze auch – “

„Hey, was? Nein!“, rief ihr Begleiter. „Es hat mich nur interessiert, das ist alles. Es ist eben schon ein bisschen … ungewöhnlich, was nicht gleich negativ zu werten ist.“

„Ganz genau“, warf sie ein.

„Du hattest deine Gründe, vielleicht hast du schlechte Erfahrungen gemacht, der Zeitplan hat nicht gestimmt, was weiß ich. Ich war nur erstaunt, dass du diesen Weg gewählt hast …“, er bemerkte ihr Stirnrunzeln und räusperte sich sofort, „… seit ich das erste Mal davon gehört habe. Ich wollte nicht unprofessionell wirken, bitte entschuldige.“

Sie lächelte halbherzig und dann verbrachten sie den Rest des Weges, wie nicht anders zu erwarten, recht schweigend.

 

Mias Laune änderte sich schlagartig, als sie an ihrem Ziel eintrafen: der Ausblick auf das Mascatal war so unglaublich schön, dass ihr erst einmal der Atem stockte. Riesige Felsen, manche nackt und in den erstaunlichsten Formen, andere von verschiedenartigen Pflanzen bewachsen, bildeten die berühmte Mascaschlucht, die laut eines Prospektes aus dem kleinen Café und Souvenirladen am oberen Rand ‚eines der beliebtesten Ausflugsziele für Wanderer und solche, die es werden wollen‘ war.

„Na, hab ich zu viel versprochen?“, raunte Chris ihr plötzlich ins Ohr und Mias Hände krampften sich noch mehr um Tischplatte und Geländer. Ein Schauer rann ihren Rücken hinab und der hatte nichts mit Chris’ samtweicher Stimme zu tun. Bei ihrem Eintreffen war er mit einer kurzen Entschuldigung Richtung Toilette verschwunden – der Kerl hatte anscheinend ein Blasenproblem – und Mia hatte sich nach einer kleinen Tour durch den Souvenirladen, der Teil des Cafés war, langsam und mit staksigen Schritten auf die Terrasse gewagt. Irgendwie hatte sie es, ohne vor Angst zu sterben, bis zu einem der Tische am Rand geschafft und dann vorsichtig ihren Blick über das Tal wandern lassen.

„Wunderschön“, flüsterte sie ergriffen.

„Aus der Nähe ist es mindestens ebenso beeindruckend“, sagte er und reichte ihr galant seinen Arm.

„A-a-aus der N-nähe?“, wiederholte sie.

„Ja klar. Das romantische kleine Örtchen, weißt du noch? Der freie Himmel über uns, um uns herum das Zirpen der Grillen … Küsse im Sonnenuntergang … Es sei denn, du möchtest lieber gleich hier auf der Terrasse rumma…“

„So freizügig bin ich dann doch nicht, danke.“

Sie stand unschlüssig auf und schloss dann automatisch kurz die Augen, weil sie wieder in den Abgrund geschaut hatte. Ganz schlechte Idee. Nur einen raschen Herzschlag später fühlte sie einen kräftigen Arm, der sich beruhigend um ihre rechte Schulter legte und sie musste sich zusammenreißen, um sich nicht an ihm festzuklammern. Sie hatte ja gewusst, dass sie Höhenangst hatte, aber nicht, wie schlimm es mittlerweile geworden war, schließlich hatte sie Zuhause keine richtigen Vergleichsmöglichkeiten. Zumindest keine, die sie aufsuchte.

„Es ist gar nicht weit unten“, versuchte ihr Begleiter, sie für seinen Vorschlag zu begeistern. „Nichts, wofür wir Wanderschuhe brauchen oder so.“

„Sorry, aber ich setze keinen Fuß auf irgendeinen Weg, der da runter führt“, sagte Mia bestimmt und deutete auf das Tal hinter sich. „Wir können hier gern einen Kaffee trinken oder so, aber dann würde ich lieber zu einem anderen schönen Plätzchen weiterfahren. Ich meine … du wolltest doch hier nicht etwa übernachten, oder??“

Zelten oder gar das Übernachten bloß im Schlafsack war so gar nicht ihr Ding und so weit sie gesehen hatte, war dem Café hier keine Pension angeschlossen. Außerdem hatte er doch zuvor von einem Hotel gesprochen. Mit Sicherheit würde sie ihren ersten Sex nicht im Freien haben!

Etwas an der Art, wie sich der Mann neben ihr am Kopf kratzte, gefiel Mia nicht.

„Chris?“

„Wie stehst du dann so allgemein zu einer kleinen Wanderung?“

„Wohin?“ Ihr schwante nichts Gutes.

„Sagen wir es so: fahren ohne fahrbaren Untersatz gestaltet sich ein wenig schwierig …“

„Aber wir haben doch einen“, wandte sie ein.

Er seufzte. „Der Tank ist nahezu leer.“

„Definiere nahezu?“

„Wenn wir vom Parkplatz runterkommen, wäre das schon weit.“

„Aber wie kann das denn passieren?“, fuhr sie auf. Ihr blieb auch nichts erspart. „Es gab gar kein Warnsignal!“ Oder hatte sie es nur nicht gehört?

„Das stimmt. Ich nehme an, es ist genauso kaputt wie größtenteils der Rest der Karre. Du kannst gern nachsehen, wenn du mir nicht glaubst“, fügte er hinzu, ihr Zögern offensichtlich als Misstrauen deutend.

Und wieder schrillten alle Alarmglocken in ihr, doch sie war wohl einfach nur überreizt und das nicht annähernd so, wie sie es bereits hätte sein sollen. Und mal ehrlich, was sollte er denn von ihr wollen? Jessica hatte ihr sicher nicht die Nummer eines Serienkillervereins gegeben.

„Hör zu, ich laufe hier nicht bis zum nächsten Dorf, also entweder nehmen wir den nächsten Bus –“

„Ich befürchte, der kommt erst morgen wieder.“

„– oder ich rufe ein Taxi –“

„Das wird schwierig, am späten Samstagabend in dieser Gegend …“

Mia gab einen unwilligen Laut von sich und bohrte ihren Finger in seine Brust. Seine äußerst muskulöse Brust. „Besorg Benzin oder ein Auto!“

Chris seufzte, nickte schließlich ergeben und bedeutete ihr, sich mit einem Kaffee nach draußen zu setzen, während er sich kurz mit der Agentur absprechen und nach einer Alternative suchen würde.

 

Die Kaffeetasse war fast leer, als Chris endlich wiederkam, doch das zuversichtliche Lächeln, das sein Gesicht zierte, stimmte sie gnädig und so empfing sie ihn mit einem relativ freundlichen Gesichtsausdruck.

„Und?“, fragte sie, als er nicht sofort mit der Sprache herausrückte, sondern gegenüber von ihr Platz nahm.

„Sie schicken jemanden her, der uns einen neuen Wagen bringt“, ließ er sie wissen.

Sie runzelte irritiert die Stirn. „Und der bleibt dann hier oder wie?“

„Nein, selbstverständlich nicht“, lachte Chris. „Er fährt zurück nach Hause.“

„Und womit? Er kann ja schlecht mit zwei Autos herfahren und sagtest du nicht, der nächste Bus kommt wahrscheinlich erst morgen früh?“

„Ich sagte, ich vermute das, aber ich hatte Unrecht. Der nächste Bus kommt in zirka einer Stunde. Ich hab nachgesehen.“

„Oh.“ Das waren allerdings erfreuliche Nachrichten. „Das heißt, wenn dein Kollege doch nicht den neuen Wagen bringt, könnten wir dennoch hier weg.“

„Ja, aber er kommt“, bestätigte Chris noch einmal und sie wünschte sich so sehr, das er recht hatte.

„Und wann?“, fragte sie etwas zu sehnsüchtig, denn Chris’ fröhliches Lächeln schwand sofort dahin.

„Du kannst es nicht erwarten, hier wegzukommen, oder?“, fragte er geknickt.

Sie seufzte leise, streckte ihre Hand aus und legte sie auf seine. „Das hat doch nichts mit dir zu tun, sondern mit der Höhenlage.“

„Wieso machst du dann Urlaub auf Teneriffa?“ Chris’ Verständnislosigkeit war allzu deutlich aus seinem Gesicht zu lesen. „Die schönsten Fleckchen dieser Insel liegen nun mal eher in der gebirgigen Gegend oder zumindest in Bereichen der Insel, die man nur über die Serpentinen erreichen kann. Hattest du vor, deinen Urlaub nur im Hotel zu verbringen?“

„Nein, natürlich nicht!“, erwiderte sie sofort. „Ich dachte, ich bekomme das in den Griff. Für ein oder zwei Tagestouren.“

Chris betrachtete ihr Gesicht ein paar Herzschläge lang, dann drehte er seine Hand und umschloss ihre Finger mit den seinen. „Sieh das doch als eine dieser Touren an. Ich bin dein Bergführer und du die hübsche Touristin, die ihre Ängste überwindet, indem sie sich ins Abenteuer wirft.“

„Ja, klar“, erwiderte sie amüsiert, obwohl er mit dem Wort ‚Abenteuer‘ genau den richtigen Knopf in ihrem Inneren drückte, „und während der Wanderung durch die malerisch schöne Natur, gerät die junge Touristin in Gefahr und ihr Bergführer …“

„… ihr schrecklich attraktiver Bergführer …“, warf Chris rasch ein.

„… rettet sie aus der Gefahr“, fuhr sie fort. „Und durch diesen großen Schrecken verlieben sich beide unsterblich ineinander. Am Abend finden sie eine kleine Pension, in der  sie …“

„… es vor dem Kamin wie die Karnickel treiben“, ergänzte er mit leuchtenden Augen.

Mia verzog das Gesicht. „Schon ist die Romantik im Eimer. Ich dachte, du gehörst zu den Professionellen!“

„Okay, sie machen stundenlang Liebe – besser?“ Er grinste sie breit an und sie hob provokant die Brauen.

„Stundenlang?“, wiederholte sie.

Sein Grinsen reichte nun fast schon bis zu den Ohren. „Ich dachte, wir stapeln erst mal tief.“

Mia musste lachen. Verdammt! Warum fiel es ihr nur immer so schwer, länger als ein paar Minuten mit Chris böse zu sein? Dabei hatte er es verdient. Auch wenn das Romance-Special noch in der Erprobungsphase war – es derart zu versieben, war schon eine Kunst.

„Und? Lässt du dich nun auf dieses kleine, pikante Rollenspiel ein?“, fragte ihr Gegenüber und wackelte auffordernd mit den Augenbrauen.

„Ich denke darüber nach“, gestand sie schmunzelnd.

Chris warf einen Blick auf seine Armbanduhr. „Denk schneller. Allzu viel Zeit, um das spezielle romantische Örtchen in der Masca-Schlucht aufzusuchen, haben wir nicht mehr. Unser Auto kommt in ungefähr einer Stunde.“

Mia ließ ihren Blick über die wunderschöne Landschaft gleiten und nickte schließlich, obwohl ihr sofort etwas mulmig wurde. Ihre große Angst hatte sich zurückgezogen und der Gedanke, noch mehr von der wunderschönen Natur zu sehen, war verlockend.

Chris winkte dem Kellner und schenkte ihr ein strahlendes Lächeln, als er sich ihr wieder zuwandte.

„Das war die richtige Entscheidung“, versprach er ihr. „Glaub mir, ich werde so gut auf dich aufpassen, dass du deine Höhenangst ganz schnell überwinden wirst.“

 

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